Eine ganze Reihe zugeklebter Schaufenster und orangerote Plakate bestimmen in diesen Tagen das Bild in der Nürtinger Innenstadt. „Wir schließen . . . uns zusammen“ lautet der Slogan einer bundesweiten Aktion, der sich in Nürtingen Citymarketing- und Werbering-Mitglieder angeschlossen haben. Für sie ein Ventil, um dem Ärger über die Politik Luft zu verschaffen.
Denn der Unmut der Einzelhändler über den vom Gesetzgeber verordneten Corona-Lockdown und die Ungleichbehandlung wächst. Seit 16. Dezember sind viele Läden zu. Im Drogeriemarkt nebenan gehen Kunden ein und aus, und im Bekleidungsgeschäft müssen die Ladentüren verschlossen bleiben. „Seit über zwei Monaten dürfen wir unsere Geschäfte nicht öffnen“, klagt Frank Schweizer, Vorsitzender des Nürtinger Werberings. Der Inhaber von zwei Modegeschäften ist sauer auf die Regierung in Berlin.
Mit der dritten Stufe der bundesweiten Aktion „Wir schließen . . . uns zusammen“ will der Handel ein Zeichen setzen. „Uns fehlt eine klar erkennbare Öffnungsstrategie“, sagt Schweizer. „Handel und Gastronomie sind die Leidtragenden.“ Dass der Kunde in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft einem größeren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sei als beim Discounter, könne er nicht nachvollziehen. „Die Kundenfrequenz in unseren Geschäften ist deutlich niedriger, und deshalb können wir auch die geforderten Hygienemaßnahmen und Abstände einhalten“, betont Frank Schweizer.
Der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich weiß aus vielen Gesprächen mit Betroffenen, wie schwer sie es derzeit haben. Manche würden nur noch durch KfW-Kredite am Leben gehalten. „Viele berichten mir, dass die Hilfszahlungen nicht oder nur unzureichend fließen. Manche fallen ganz durchs Raster, andere Geschäfte haben keinen Steuerberater und scheitern schon an der Antragsstellung.“
Der Protestaktion in der Nürtinger Innenstadt schließen sich auch Optiker an. Die Branche darf zwar auch im Lockdown Kunden in ihren Geschäften bedienen, doch aus Solidarität mit ihren Kollegen kleben auch sie ihre Schaufenster zu.