Tradition
Zehntweintrunk in Weilheim: Züfle mahnt Mäßigung bei Ansprüchen an

In der Limburghalle stellt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle die Bevölkerung auf sinkende Einnahmen und Kürzungen der Ausgaben ein, die an einigen Stellen sichtbar werden. Für ihr Ehrenamt geehrt wurde dieses Mal ein junges Mitglied der „Blaulicht-Familie“. 

Gute Laune nach der Ehrung: Landtagsabgeordneten Andreas Kenner und Natalie Pfau-Weller rahmen Bürgermeister Johannes Züfle, Lea Schober und Martin Beuker von der DRK-Bereitschaft Weilheim ein.  Foto: Markus Brändli

Beim Genuss von Wein ist Mäßigung angesagt, wenn man den nächsten Tag kopfschmerzfrei beginnen möchte. Beim traditionellen Zehntweintrunk der Stadt Weilheim war Mäßigung auch ein Thema in der Ansprache des Bürgermeisters. Mäßigung mahnte er bei den Wünschen der Bürgerinnen und Bürgern an, und den damit verbundenen Ausgaben. 

Vor rund 250 Gästen stellte er die Frage, ob man angesichts knapper Kassen derzeit über seine Verhältnisse lebe. Züfle kann auf 16 Jahre im Amt zurückblicken, in denen viele Wohltaten zur Selbstverständlichkeit wurden: Elternzeit, Elterngeld, Altersteilzeit seien Standards, die in „guten Zeiten“ eingeführt wurden, so der Schultes, ebenso Schulsozialarbeit, schulische Inklusion, Integrationsmanagement, Ehrenamtsbeauftragte und Seniorenbeauftragte. All das ist heute nur schwer wegzudenken, aber auch für Städte und Gemeinden ein großer Kostenfaktor.  

Er versprach aber auch, kein Sparkonzert zu starten, denn: „Man muss wissen, dass mit Streichlisten ungemein viel Porzellan zerschlagen wird.“ Sparen müssen, aber nicht dort, wo Menschen die Veränderungen im Alltag am stärksten spürten. Da dürfe man „nicht mit der Brechstange“ agieren. Das kann er mit Zahlen belegen: 10 Millionen Euro hat Weilheim in den vergangenen Jahren in Kindergärten investiert, zuletzt 1,8 Millionen Euro in den Umbau des Bildungszentrums Wühle, um dort für die Grundschüler eine Ganztagsbetreuung einrichten zu können. 

Dennoch würden die Weilheimerinnen und Weilheimer in naher Zukunft merken, wo gespart werde, denn die Sanierung aller Brücken werde die Stadt nicht leisten können. Sperrungen oder Beschränkungen werden die Folge sein. 

Jung, weiblich, Ehrenamt

Kein Zehntweintrunk ohne Ehrung: Dieses Mal wurde stellvertretend für alle Ehrenämtler der „Blaulichtfamilie“ der Stadt Lea Schober nach vorne geholt. Sie  bekam die „Große goldene Gedenkmünze“ der Stadt Weilheim. Das Besondere: Sie bekam es nicht für außergewöhnlich viele Jahre im Ehrenamt – was mit 26 Jahren auch schwer möglich gewesen wäre. Dafür kann sie ihr vielfältiges Engagement in jungen Jahren in die Wagschale werfen. Seit ihrem 17. Lebensjahr ist Lea Schober in der DRK Bereitschaft Weilheim aktiv, wo sie eine Fachdienstausbildung zur Sanitäterin abgeschlossen hat und Erste-Hilfe-Ausbilderin absolviert hat. Als Helferin vor Ort in Weilheim leistet sie medizinische Notfall-Hilfe, um im Notfall die lebenswichtige Zeit bis zum Eintreffen von Rettungswagen und Notarzt zu überbrücken. 

Doch nicht nur das: Seit 2020 ist Lea Schober Kirchengemeinderätin in der evangelischen Kirchengemeinde. Den Sitzungen des Gremiums hat sie selbst während ihres Auslandsstudiums auf eigene Initiative hin digital beigewohnt. „Sie hat den Kirchengemeinderat quasi im Alleingang digitalisiert“, merkte der Bürgermeister launig an. 

Mit Chorgesang von Salto Vocale ging es dann nahtlos in den geselligen Teil des Abends über, bei dem auch die Nachbargemeinden mit Bürgermeisterin Barbara Born (Ohmden), und dem Schultes Florian Schepp (Holzmaden) sowie Jürgen Ebler (Neidlingen) gut vertreten waren. Einziges Manko: Hermann Bauer, Weilheims Ex-Bürgermeister und „Erfinder“ des Zehnweintrunks der „Neuzeit“, fehlte an diesem Abend. Mit Weilheimer Rebensaft hätte man perfekt auf seinen 80. Geburtstag anstoßen können.