Jedes Kind weiß: Eine Krippe gehört zu Weihnachten, fast genauso wie Geschenke und der Weihnachtsbaum. Auch für den Owener Krippenbauer Felice Turco hat sie eine besondere Bedeutung. In seiner Heimat ist die Krippe noch wichtiger als der Baum, erklärt der gebürtige Italiener. In seiner Kindheit hat er immer zusammen mit seinen beiden Schwestern und seinen beiden Brüdern die Krippe aufgebaut. Er bekräftigt: „Das ist einfach Tradition.“
Der Owener war rund 20 Jahre alt, als er nach Deutschland kam – um genau zu sein nach Nürtingen. Fünf Jahre blieb er dort, ehe es ihn nach Wendlingen und anschließend nach Neckartailfingen verschlug. Für Owen als Wohnort entschied er sich erst einige Jahre später, als er seine Frau kennenlernte. Dort ziert nun eine große Krippe den Außenbereich des Grundstücks, die jedem, der vorbeiläuft, sofort ins Auge sticht. Alte Gebäude, Schafe, Kamele, Palmen und ganz viele kleine Details sind zu sehen – sogar ein Feuer flackert.
Bei all der Mühe, die sich der Tüftler gegeben hat, freut er sich, wenn andere die Krippe in Augenschein nehmen. „Es gibt Leute, die kommen einfach her und schauen sich alles genau an – genauso wünsche ich mir das.“ Wenn jemand von der anderen Straßenseite rüberlugt, ruft er ihn gerne her.
Maria und Josef sind unterwegs
Ein Blick in den Stall im erdachten Miniatur-Bethlehem verrät: Josef und die schwangere Maria sind noch unterwegs. Die beiden Figuren stehen im äußeren Bereich der Kulisse auf der linken Seite. „Wahrscheinlich erreichen sie am Wochenende den Stall“, sagt Turco. Die Heiligen drei Könige gesellen sich ab dem 6. Januar zu Maria, Josef und dem neugeborenen Jesus, sodass in der Krippe immer wieder Bewegung herrscht.

Seine erste Krippe hat der gebürtige Italiener schon vor vielen Jahren in Neckartailfingen gebaut. Seitdem begleitet ihn das Hobby. In seinem Keller werkelt er vor sich hin und verbessert seine Methoden. Für die Felsen nimmt Turco Styropor, das er mit gefärbtem Gips einkleidet. Außerdem verwendet er, was er beim Spaziergang findet. Wie zum Beispiel eine Wurzel: Umgedreht wird daraus ein Baum, aus getrocknetem Oregano die Baumkrone.

Seine kleinen Kunstwerke verschenkt der 64-Jährige gerne an Freunde, Verwandte oder Nachbarn. Im vergangenen Jahr konnten sich auch alle anderen an ihnen freuen: Zusammen mit den Werken eines weiteren Krippenbauers wurden zahlreiche Einzelstücke im Owener Geschichtshaus ausgestellt. Auch in diesem Jahr wird sich Felice Turco mit der Organisationsgruppe von damals treffen und einen Glühwein trinken.
Kindergartenkinder staunen
„Dass die eine Krippe so groß wird, war nicht geplant“, erzählt der Owener. Ursprünglich zierte sie das Wohnzimmer, dort drohte sie jedoch dem Weihnachtsbaum den Platz zu stehlen. Deshalb schlug seine Frau vor, die Krippe in den Garten zu verlegen. „Das war eine wirklich gute Idee“, sagt Turco. So können sich alle daran freuen. Auch der Kindergarten aus der Owener Bahnhofstraße hat von der Krippe im Sibyllenweg 12 erfahren und kurzerhand einen Ausflug dorthin unternommen. Bis zum 2. Februar ist die Krippe noch aufgebaut und jeder, der möchte, kann sie anschauen. Danach verschwindet sie bis zum nächsten Jahr, sodass die Mülleimer der Familie Turco wieder an ihren gewohnten Platz finden.

Wer jetzt denkt, dass das Krippenbauen sein Hobby Nummer eins ist, irrt. Der 64-Jährige läuft leidenschaftliche gerne Marathons. Wobei er zurzeit lieber wandert, weil das Knie Probleme macht. Wenn er nächstes Frühjahr in Rente geht, möchte er dennoch nicht kürzertreten, sondern mit ein paar seiner alten Kollegen von Owen aus nach Rom wandern. Langeweile dürfte in seiner Rente kein Thema sein.


