Fasnet
Zum 20. Mal stürmen die Lenninger Hexa das Rathaus

Am schmotzige Doschdig übernehmen die Frauen das Regiment im Rathaus. Schultes Michael Schlecht hat nichts zu lachen, wenn die „wilden Weiber“ den Ton angeben.

Bürgermeister Michael Schlecht hat sich als Chefarzt verkleidet und trägt eine Schandgeige, um über den schwächelnden Patienten
Bürgermeister Michael Schlecht hat sich als Chefarzt verkleidet und trägt eine Schandgeige, um über den schwächelnden Patienten in Lenningen zu reden. Foto: Iris Häfner

Petrus muss ein Herz für die Lenninger Hexa haben – ond hählenga a Fasnetsnarr sei. Mit durchsichtigen Capes liefen die Kinder in ihren Kostümen Richtung Aufstellung zum Umzug an der katholischen Kirche in Oberlenningen – und kaum dort angekommen hörte der Regen auf. Der setzte punktgenau erst wieder ein, als der offizielle Teil auf dem Marktplatz beendet war.

Es war wieder ein gelungener schmotziger Doschdig, den die Lenninger Hexa zu ihrem 20-jährigen Bestehen auf die Beine gestellt haben. „Do kommad scho de nächschde“, rief ein Kind aufgeregt, als es eine weitere Gruppe von Hästrägern sah. Viele Gruppen waren dem Ruf der Hexa gefolgt, darunter die Weilheimer Rossmugga und das Gesinde Schleichingen aus Notzingen. Wilde Gesellen mit blinkenden Augen überreichten Kindern Bonbons und andere Leckereien, die diese ohne mit der Wimper zucken freudestrahlend entgegennahmen. 

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Nicht nur die Narren hatten ihren Spaß am Schabernack mit den großen und kleinen Zuschauerinnen und Zuschauern. Insbesondere die weiblichen Zaungäste grinsten in sich hinein, als sie zufällig dem Plausch einer vorbeilaufenden männlichen Narren-Gruppe lauschen konnten: Einer gab Tipps für Extensions, also Haarverlängerung und Haarverdichtung wie es die Hollywood-Sternchen vormachen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Ausnahmezustand im sonst so beschaulichen Oberlenningen herrscht – Weiberfasnet halt, das den Männern einschließlich dem Schultes Mores lehrt. Punkt 17.17 Uhr stürmten die Lenninger Hexa das Rathaus, um das Zepter für die närrischen Tage zu übernehmen. Am Fenster zeigte sich kurz darauf Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht als Chefarzt verkleidet mit Schandgeige um den Hals. Abgeführt von den Hexa tauchte er dann auf der Rathaustreppe auf, um in Reimform auf den schwächelnden Patienten Lenningen einzugehen. Kurz vor der Reanimation stehe dieser – da wäre ihm ein leichter Schnupfen deutlich lieber. Gerne überließ es den „wilden Weibern“ die Macht. Am Ende gab‘s ein Kompliment: Die Hexa seien immer noch zum Schabernack bereit – und nicht alt.

 

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Weitere Bilder gibt es online auf www.teckbote.de.