Wenn Matthias Rasper morgens seine Socken und Schuhe angezogen hat, folgt der Griff zum Pieper ganz automatisch. Er denkt gar nicht mehr daran. Dann beginnt sein Tag. Geht der Alarm los, ist er von der einen auf die andere Sekunde Feuerwehrmann. „Wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden, schaut jeder, dass er so schnell wie möglich ins Feuerwehrhaus kommt“, sagt der Kommandant und Oberbrandmeister Matthias Rasper. In der Garage werden Jeans, Hemd und Schuhe gegen feuerfeste Kleidung und schwere, schwarze Stiefel getauscht. Und dann geht’s los: Die Ohmdener Feuerwehrleute rücken aus.

Der Hauptlöschmeister Andreas Rückschloß ist seit seinem zehnten Lebensjahr mit Herz und Seele Feuerwehrmann. Aber auch schon davor hat er sich ausgemalt, mit einem der roten Fahrzeuge fahren zu können. Seitdem er selbst eine Tochter hat, ist er vorsichtiger geworden. „Heldentum ist absolut das Falsche in der Feuerwehr“, betont er mit ernster Miene. Natürlich wolle man helfen und alle Menschen retten – aber manchmal gehe das nicht. Eine Erkenntnis, für die er lange gebraucht hat, bei der ihm aber folgendes Mantra geholfen hat: „Ich bin nicht schuld, wenn etwas brennt oder ein Unfall passiert ist. Ich komme, um zu helfen. Wenn ich mich aber selber in Gefahr begebe, ist die Hilfe nicht mehr möglich.“ Heute weiß er: Wenn etwas nicht geht, dann geht es nicht. Matthias Rasper ist sich sicher: „Das ist eine Erkenntnis, die erst mit dem Alter kommt.“
Der Konflikt, der im Inneren tobt
Weil ihnen der Konflikt, der im Inneren aller Feuerwehrleute herrscht, nur allzu bewusst ist, kümmern sie sich gut um ihre jüngeren Kollegen. „Den Jugendlichen versuchen wir das früh beizubringen – aber ob das immer so ankommt“, lässt Andreas Rückschloß den Satz unvollendet. „Bei unseren unerfahrenen Mitgliedern schauen wir deshalb immer, dass wir sie mit einem erfahrenen Kollegen zusammentun, damit man ein Auge auf sie haben kann und es einen gibt, der sagt: Fahr nicht so schnell, wir haben keine Sonderrechte. Fahr vorsichtig. Fahr besonnen. Nicht übertrieben.“

Dass etwas Schlimmes passiert, lässt sich trotzdem nicht immer verhindern, weiß Hans-Günther Haußmann von der Altersabteilung. Ein Vorfall hängt ihm bis heute nach: Im Jahr 2014 ist einer seiner Kameraden gestorben, nicht im Einsatz, sondern bei seiner Arbeit. Die Feuerwehrleute sind sofort – und trotzdem zu spät – ausgerückt. Der Kamerad war Landwirt. Er hat in Ohmden auf dem Feld Heuballen verladen, als es zu einem Arbeitsunfall kam, den er nicht überlebte, erzählt Hans-Günther Haußmann ergriffen. Daran hatte der Hauptfeuerwehrmann lange zu knabbern. „Wir hatten viel miteinander zu tun, haben regelmäßig zusammen geübt und dann fehlt der Mensch einfach“, sagt er. Heute gibt es, so Rasper, für solche Fälle eine psychologische Betreuung, die der Landkreis organisiert und die alle Feuerwehrleute in Anspruch nehmen können.

Für Matthias Rasper ist die Kameradschaft das Schönste an der Feuerwehr. Im Jahr 1999 hat der Ohmdener bei der Jugendfeuerwehr seine Grundausbildung gemacht. 2013 wurde er zum Stellvertreter und 2024 zum Kommandant gewählt. Ein Einstieg über die Jugendfeuerwehr sei zwar beliebt, aber keinesfalls ein Muss: „Bei uns ist jeder Quereinsteiger willkommen“, sagt Rasper. Das sei gar nicht mal so ungewöhnlich. Ganz im Gegenteil: Es komme immer häufiger vor, dass neue Einwohnerinnen und Einwohner Anschluss suchen und gleichzeitig aktiv sein und etwas Gutes tun möchten. Dann sei die Feuerwehr die richtige Anlaufstelle. Zurzeit zählt die Ohmdener Feuerwehr 30 aktive Feuerwehrleute, zwölf Altersfeuerwehrleute und die Jugendfeuerwehr ist mit 19 Jungs und Mädels stark besetzt. „Bei den Aktiven dürften es ruhig noch fünf mehr sein“, sagt der Kommandant.
Jungs und Mädels sind am Start
Die Reihen der Jugendlichen sind hingegen gut gefüllt: „Das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen hält sich etwa die Waage“, sagt der Löschmeister Hannes Haußer stolz. Beim Nachwuchs stehen nicht nur wie bei den Erwachsenen Übungen auf dem Plan, sondern auch Freizeiten, Bowling, Ausflüge, Kino, Zeltlager und vieles mehr. Die vielen Aktivitäten und Übungen würden aber nicht alleine dafür sorgen, dass sich die Jugendlichen für die Feuerwehr begeistern – Hans-Günther Haußmann von der Altersfeuerwehr kennt das Geheimnis: Es werde früh um Aufmerksam geworben. So dürften schon die ganz Kleinen bei Dorffesten im Feuerwehrauto mitfahren.

„Wir kommen bei Hochwasser, zu Türöffnungen, Unfällen, um Ölspuren zu beseitigen und natürlich, wenn es brennt“, sagt der Kommandant. Das Gute sei, dass es in Ohmden kaum Fehlalarme gebe, ergänzt Hannes Haußer. An seinen ersten Einsatz kann sich dieser noch gut erinnern. Er muss sich ein Grinsen verkneifen, ehe er sagt: „Es war ein Fehlalarm, einer von denen, die es in Ohmden ja zum Glück nicht gibt.“ Bei dieser Bemerkung müssen auch seine Kameraden lachen.

Andreas Rückschloss ist ein Einsatz besonders im Gedächtnis geblieben: Es war ein schlimmer Unfall auf der Straße nach Jesingen. „Zwei Autos sind frontal zusammengestoßen, in einem der Autos saß eine Familie, der Vater ist gefahren und war schwer verletzt.“ Die Ohmdener Feuerwehr war zum Glück schnell da, und die Männer haben alle nötigen Maßnahmen ergriffen und ihm Beistand geleistet, bis der Rettungswagen da war. „Es ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn man einen Menschen retten kann, auch dann, wenn sie manchmal im Nachhinein vorbeikommen und sich bedanken.“




