Nachruf auf Hans Höger, den bekanntesten Bläser der ganzen Stadt
Nachruf auf Hans Höger, den bekanntesten Bläser der ganzen Stadt

Kirchheim. Die Stadt Kirchheim ist um ein Original ärmer: Am Samstag ist Hans Höger gestorben, genau
 zwei Wochen vor seinem 94. Geburtstag. Wer ihn näher kannte, dem wird er vor allem mit seinem unverwüstlichen Frohsinn in Erinnerung bleiben. Selbst sechs Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft – von 1942 bis 1948 – konnten Hans Högers Naturell nicht ernsthaft etwas anhaben.

Dabei geholfen, auch schwierige Zeiten zu überstehen, hat dem gebürtigen Ötlinger, der in Kirchheim einen florierenden Heizungs- und Sanitärbetrieb aufgebaut hatte, sein christlicher Glaube und seine Musik. Vor allem durch die Musik ist Hans Höger vielen Menschen ein Begriff geworden. Seit seinem zwölften Lebensjahr war er aktiver Bläser, zunächst in Ötlingen, nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft dann im neu gegründeten Posaunenchor des CVJM Kirchheim. Allerdings musste sich niemand die Mühe machen, in die Kirche oder zu einem Gottesdienst im Grünen zu gehen, um Hans Höger spielen zu hören.

Hans Högers Flügelhorn ertönte vielmehr „frei Haus“, und das täglich morgens oder abends von seinem Balkon an der Alten Plochinger Steige. Vor gut zehn Jahren ist er dadurch ungewollt in den Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte geraten: Beim Kirchheimer Ordnungsamt waren damals zwei Beschwerden eingegangen. Die Behörde musste deshalb einschreiten. Hans Högers Flügelhorn schwieg. Für einige Wochen erklangen im Herbst 2000 keine Choräle und keine Volkslieder mehr.

Als die Angelegenheit öffentlich wurde, gab es eine beispiellose Welle der Solidarität mit dem damals 83-Jährigen, der seinen Mitmenschen mit seiner Musik einfach nur Freude machen wollte. Zahlreiche Leserbriefschreiber hatten Hans Högers musikalische Grüße auch immer mit großer Freude gehört, was sie in vielen Schreiben bekundeten. Dazu gab es in den Leserbriefen auch viel Unverständnis über die Beschwerdeführer, die bis heute anonym geblieben sind. In der öffentlichen Debatte jedenfalls fand Hans Höger nur begeisterte Anhänger. Auf dem Höhepunkt der Diskussionen spielten 50 Bläser aus dem gesamten Kirchenbezirk ein Ständchen zu seinen Ehren.Er selbst hat sich bei vielen älteren Menschen revanchiert, indem er ihnen zum Geburtstag telefonisch mit Musik gratulierte.

Hans Höger hat nach der kurzen „Zwangspause“ übrigens weiterhin leidenschaftlich vom Balkon gespielt. Nun aber muss­te er sein Instrument für immer beiseite legen. Im Kreise seiner Familie ist er am Samstag gestorben. Zu seiner großen Freude konnte er im hohen Alter noch zwei Urenkel erleben. Gestorben ist er jetzt nur wenige Tage vor der Geburt des dritten Urenkelkinds.