Der Teckbote war bei einem Spritsparkurs des ADAC mit von der Partie
Niedrige Drehzahlen sind das A und O

Das Thema Energiesparen ist derzeit in aller Munde. Auch beim Autofahren gibt es einige Tricks, wie man Kraftstoff sparen und damit umweltschonender unterwegs sein kann. Kennenlernen kann man diese relativ einfachen Mittel bei einem „Energie-Spar-Fahr-Training“ des ADAC. Der Teckbote hat einen solchen Kurs miterlebt.

Kirchheim. Treffpunkt TÜV-Gelände in Kirchheim: Kfz-Meister Karl Michel, der für den ADAC sogenannte Energie-Spar-Fahr-Trainings anbietet, checkt zuerst den Luftdruck der Autoreifen. „Wenn mehr Luft drin ist, verbraucht man weniger Sprit“, erklärt der Experte und befüllt die Reifen mit 0,3 Bar mehr als vom Fahrzeughersteller angegeben. „Das ist wie beim Fahrradfahren: Bei zu niedrigem Reifendruck braucht man mehr Kraft“, fügt Karl Michel hinzu. Überhaupt sei das Autofahren in vielerlei Hinsicht mit dem Radeln vergleichbar – zum Beispiel, was das Schalten anbelangt. „Mit dem Rad fährt man im höchstmöglichen Gang – aber eben so, dass es noch ,zieht‘. Beim Autofahren sollte das nicht anders sein.“ Ein höherer Luftdruck bedeute übrigens nicht, dass der Bremsweg dadurch verlängert wird, betont Karl Michel. „0,3 Bar sind absolut im Rahmen.“ Vielmehr stelle ein zu niedriger Reifendruck eine mögliche Gefahrenquelle dar.

Doch genug der Theorie – jetzt geht‘s auf die Straße. Zusammen mit Karl Michel, der auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat, fährt der Teilnehmer des „Energie-Spar-Fahr-Trainings“ eine 13 Kilometer lange Strecke ab, die sowohl Stadtverkehr als auch Landstraßen, Steigungen und Gefälle beinhaltet: Vom TÜV aus führt die Fahrt durch die Innenstadt nach Ötlingen, Notzingen und schließlich über die Umgehungsstraße in Kirchheim wieder zurück zum Ausgangspunkt. „Ihr Fahrstil sollte so sein wie immer. Anschließend unterhalten wir uns darüber, ob und wie Sie Kraftstoff sparen können“, sagt Karl Michel, der während der Fahrt das bisherige Fahrverhalten des Kursteilnehmers genau unter die Lupe nimmt und sich immer wieder Notizen dazu macht.

An den zahlreichen roten Ampeln in der Innenstadt reiht sich ein Auto ans nächste. Stoßstange an Stoßstange heißt es hier: anfahren, halten, anfahren, halten . . . Auf der Landstraße Richtung Notzingen sieht das schon besser aus. Lediglich ein Kreisverkehr nimmt den Verkehrsteilnehmern den Schwung.

Wieder auf dem TÜV-Gelände angekommen, fällt der Blick zuerst auf den Bordcomputer des Opels: Auf 100 Kilometer hochgerechnet hat der Autofahrer im Durchschnitt 8,4 Liter verbraucht. „Bei der zweiten Fahrt werden wir um einiges runterkommen“, verspricht der Kursleiter und hat – bevor dieselbe Strecke ein weiteres Mal getestet wird – für seinen „Zögling“ einige Tipps parat: So sei das Fahren in niedrigen Drehzahlen beim Spritsparen das A und O, unterstreicht der Experte. Nicht verwechseln dürfe man das allerdings mit untertourigem Fah­ren, bei dem der Motor wegen fehlender Kraft zu „ruckeln“ beginnt.

Auf geraden Strecken sollte man immer im höchstmöglichen Gang fah-ren, lautet ein Appell des Kursleiters. So könne man bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern durchaus auch in der Stadt den fünften Gang einlegen – vorausgesetzt, der Verkehr läuft. Wichtig sei außerdem, vorausschauend zu fahren. Wenn man zum Beispiel sieht, dass eine Ampel auf Rot schaltet, solle man sofort vom Gaspedal weggehen und das Auto „ausrollen“ lassen. „Dann nutzt man die Motorbremswirkung aus, indem man runterschaltet und langsam die Geschwindigkeit verringert. In diesem Moment braucht man keinen Sprit“, verdeutlicht Karl Michel. Problemlos könne man dann übrigens auch Gänge überspringen und zum Beispiel vom fünften in den dritten Gang schalten. „Bei jedem Schaltvorgang wird Sprit verbraucht. Das lässt sich ganz leicht vermeiden.“

Geht es bergab, gilt die Regel des höchstmöglichen Ganges allerdings nicht mehr: Dann rollt man am bes­ten im dritten Gang hinab. Bremsen muss man dabei kaum, und der Spritverbrauch sinkt auf Null.

Ein weiterer Ratschlag des Experten: Bei längeren Rotphasen sollte man während des Wartens den Motor abschalten. „Das rechnet sich auf jeden Fall“, weiß der Experte. Kraftstoff sparen hat für ihn übrigens keineswegs etwas damit zu tun, langsamer voranzukommen. „Man kann Sprit sparen, ohne dabei ein Verkehrshindernis zu sein. Dieser Grundsatz ist ganz wichtig“, sagt Karl Michel, der dem Kursteilnehmer während der zweiten Testfahrt immer wieder Tipps gibt.

Zuguterletzt bringt der Bordcomputer Erstaunliches zu Tage: Im Vergleich zur ersten Fahrt, als im Schnitt 8,4 Liter verbraucht wurden, hat der Teilnehmer des Sprit-Spar-Trainings knapp 23 Prozent eingespart. Nachdem er alle Ratschläge des ADAC-Experten befolgte, kommt er jetzt auf einen Verbrauch von 6,5 Liter auf 100 Kilometer – und schaffte die Strecke sogar schneller: Während er bei der ersten Fahrt 28 Minuten unterwegs war, zeigt der Bordcomputer jetzt 24 Minuten an.

Der Autofahrer ist baff und verblüfft darüber, mit welchen doch recht einfachen Mitteln man Sprit sparen kann. Karl Michel erlebt diese Reaktion nicht zum ersten Mal und winkt schmunzelnd ab: „Ich hatte noch nie einen Teilnehmer, der nach dem Training sagte: Das habe ich alles schon gewusst.“