Die Stadt Kirchheim hat mit der Sicherung des Vorkaufsrechts fürs Steingau-Areal die Notbremse gezogen. Stoppen will sie allerdings nur die Verhandlungen, die sich seit Monaten fruchtlos hinziehen. Letztlich erhofft man sich von der Notbremse sogar eine Beschleunigung der Entwicklung auf der EZA-Brache. Schon viel zu lange dümpelt die Planung für ein innovatives Stadtviertel vor sich hin. Das verärgert viele Bürger aus der großen Schar der Wohnungssuchenden in Kirchheim. Schon ihretwegen ist die Stadt in der Pflicht, das 2010 vollmundig angekündigte Projekt vom Standstreifen zu holen und sich nicht länger hinhalten zu lassen.
Das Instrument des Vorkaufsrechts hat sich in Kirchheims Altstadt wiederholt bewährt. Jetzt soll es dem Steingau-Quartier die städtebauliche Zukunft sichern. Das Vorkaufsrecht ist aber kein Allheilmittel. Es garantiert noch lange nicht den baldigen Verkauf an die Stadt beziehungsweise einen in ihrem Sinne agierenden Investor. Die Firma Nanz hatte es bisher nicht eilig mit dem Verkauf der Fläche – warum sollte sich das ändern?
Zwar beschritten Verantwortliche der Firma gemeinsam mit der Stadt den Weg, der städtebauliche Visionen über Gewinnmaximierung stellte. Doch jetzt geht‘s ans Geld. Da dürfte es reichlich naiv sein, an die völlige Übereinstimmung stadtplanerischer und unternehmerischer Ziele zu glauben.
In der Planung schien alles in Butter. Bei der Realisierung können jedoch offenbar Stadt und Grundstücksbesitzer nicht miteinander – aber ohne einander geht eben auch nichts. Da kann man nur hoffen, dass die Notbremse wirklich beschleunigend wirkt und nicht etwa zur Feststellbremse wird.IRENE STRIFLER