CDU-Abgeordnete diskutieren mit Landwirten über Ausgleichsmaßnahmen
„Nutzung ist die beste Pflege“

Das Thema Ausgleichsmaßnahmen stand im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde der CDU-Landtagsabgeordneten Zimmermann und Locherer mit Landwirten und Naturschutzvertretern.

Lenningen. Der Dialog zwischen Politik, Landwirtschaft und Naturschutz ist Arnim Kächele, Landwirtschaftsmeister und Besitzer des Biolandhofs Wiesenhof in Unterlenningen und Karl Zimmermann, CDU-Landtagsabgeordneter aus Kirchheim, schon seit geraumer Zeit ein großes Anliegen. Im Sommer vergangenen Jahres hatten Sie deshalb einen Gedankenaustausch initiiert. Jetzt traf sich der Sachverständigenkreis erneut und befasste sich vor allem mit dem Thema Ausgleichsmaßnahmen.

Ausgleichsmaßnahmen werden immer dann erforderlich, wenn Grünflächen für Infrastrukturmaßnahmen, Gewerbe- oder Wohnbebauung verwendet werden. Dadurch sollen negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft durch Ausgleich oder Ersatz kompensiert werden. So kann die Versiegelung einer Fläche durch einen Straßenneubau zum Beispiel durch Rückbau einer alten Straße ausgeglichen werden. Meist kommt es aber zu einem nicht-funktionalen „gleichwertigen“ Ausgleich indem Natur und Landschaft an anderer Stelle aufgewertet werden. Statt des Rückbaus werden dann beispielsweise Bäume gepflanzt oder brachliegende Streuobstwiesen wieder einer Nutzung oder Pflege zugeführt.

Dass solche Ersatzmaßnahmen in der Planung meist besser klingen als in der Realisierung, machte Arnim Kächele bei einem einführenden Diavortrag deutlich. Es reiche nicht, einmalig Bäume zu pflanzen, um der Natur etwas zurückzugeben. Wer Streuobstwiesen erhalten wolle, müsse auch sicherstellen, dass sie gepflegt werden. Aber genau das kontrolliere in der Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen niemand, so Kächele. Nur durch gezielte Pflege könne sich Artenvielfalt in der Streuobstlandschaft halten oder neu entwickeln. Wer Natur sich selbst überlasse, nehme dagegen hin, dass sich nur die stärksten Arten durchsetzen. Wiesen verarmten, wenn sie nicht gezielt beschnitten würden.

„Wie bekommen wir das hin, dass die Pflege solcher Ausgleichsflächen gesichert wird?“ fragte Paul Locherer, landwirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, die Expertenrunde. Dr. Ulrich Jaudas, Lehrer am Agrargymnasium in Nürtingen, brachte die Antwort auf den Punkt. „Nutzung ist die beste Pflege.“ Die heutige schöne Landschaft sei das Produkt einer landwirtschaftlichen Nutzung. „Wenn wir die landwirtschaftliche Nutzung haben, haben wir automatisch die Landschaft.“

Siegfried Nägele, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Esslingen und Nebenerwerbslandwirt in Bissingen, pflichtet ihm bei. Nur wenn eine effiziente Bewirtschaftung der Flächen möglich sei, könne zumindest ein Teil der Streuobstlandschaft erhalten werden. Dafür müssten beispielsweise entsprechende Abstände in der Bepflanzung gehalten werden. Dennoch müsse man davon ausgehen, dass sich die Kulturlandschaft der Region verändern werde. Sein Großvater habe noch von der Bewirtschaftung der Streuobstwiesen gelebt. „Er wollte die Äpfel und das Heu – damit war die Streuobstlandschaft gepflegt und der Erwerb gesichert“. Heute dagegen würden 70 bis 80 Prozent der Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt. 2,50 Euro je Baum als Beihilfe für die Pflege seien nicht ausreichend. Auch vom Auslaufen des Branntweinmonopols befürchtet Karl Zimmermann negative Auswirkungen auf die Zukunft der Streuobstwiesen.

Arnim Kächele forderte, die Pflege derartiger Ausgleichsflächen in bäuerliche Hand zu legen. Dr. Anke Trube vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Jaudas und Siegfried Nägele gingen noch einen Schritt weiter. Die Landwirte müssten enger in die Planungen einbezogen werden, damit Ausgleichsmaßnahmen auch in der Umsetzung funktionierten. „Die Planungen müssen zu den Gegebenheiten und Personen vor Ort passen“, argumentierte auch Adelheid Schnitzler vom Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Sachgerechte Pflege könne aber durchaus auch der Obst- und Gartenbauverein leisten.

Landwirte, Planer und Naturschutz müssten in einem guten Dreiklang zusammenwirken, war die Botschaft der Runde, die Paul Locherer nach Stuttgart, Berlin und Brüssel tragen will. „Die Praktiker müssen an den Tisch. Abstimmungsprozesse müssen besser organisiert und die örtliche Landwirtschaft besser in die Planungsprozesse integriert werden“, fasste Locherer die wesentlichen Erkenntnisse der Expertenrunde zusammen. „Wenn wir Streuobstlandschaften wollen, dann muss uns das etwas wert sein.“pm