Kirchheim. Über 300 Essen gehen täglich in der Thomaskirche über die Theke. Vorbereitet und serviert werden sie von zahlreichen Helfern, die weiß beschurzt darauf brennen, den Gästen das Essen an die Tische zu bringen. Mehr als 40 ehrenamtliche Helfer sind täglich im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf vom Fahrdienst bis zum Aufstuhlen zu garantieren. Die jüngsten sind eine Reihe von Realschülern, die eifrig mit Hand anlegen. Die älteste ist die 86-jährige Herrin über die Spülküche, die ihre überwiegend männlichen Helfer routiniert anleitet.
Koordiniert wird das ganze Team von „Brebu“, wie das Gespann aus Diakon Burlein und Claudia Brendel vom Kreisdiakonieverband genannt wird. Das Team ist noch jung, denn die ersten drei Vesperkirchen wurden von Wolfgang Burlein und Ilka Babel organisiert, in deren Fußstapfen Claudia Brendel nun tritt. Die Mutter von vier Kindern ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen - eine Tugend, die viel wert ist in dem Ameisenhaufen, dem die Thomaskirche dieser Tage über Mittag gleicht. Doch Brendel und Burlein können auf eingespielte Helfer zurückgreifen. Viele sind schon zum vierten Mal dabei, nicht wenige helfen sogar täglich. Ermöglicht wird das Projekt nicht zuletzt durch zahlreiche Sponsoren. Dieses Jahr ist die Vesperkirche auch eine der drei Organisationen, die im Rahmen der Weihnachtsaktion des Teckboten bedacht werden.
Die Kundschaft ist bunt zusammengewürfelt. Viele ältere Menschen sind dabei, denen die Vesperkirche eine willkommene Gelegenheit bietet, der Einsamkeit in den eigenen vier Wänden zu entfliehen. Familien mit kleinen Kindern mischen sich darunter. Ein Restaurantbesuch zählt für sie nicht zum Alltag, sie genießen es, am schön gedeckten Tisch sitzen zu können. Auch Politiker aus allen Ebenen schauen vorbei, ebenso wie andere Menschen, denen die soziale Landschaft um die Teck am Herzen liegt. „Hier vermischt sich alles“, freut sich Dekanin Renate Kath.
An diesem Tag gibt es nach einer leckeren Eierflockensuppe ofenfrischen Fleischkäse mit Zwiebelsoße und Rosmarinkartoffeln und anschließend Waldfruchtpudding. Auch eine vegetarische Alternative haben die Küchenmeister, die das Menü von einem Naberner Caterer beziehen, in petto. Zum Abschluss darf sich jeder zum Kaffee am Kuchenbuffet etwas aussuchen. 25 Kuchen werden jeden Tag für die Vesperkirche gebacken.
Punkt 13 Uhr kehrt Stille ein, Gabel und Messer ruhen. Ein satter Gong erklingt, er leitet das Wort zur Tagesmitte ein. Diesmal ist es Ute Stolz, Pfarrerin in Neidlingen und Hepsisau, die über „Brot in deiner Hand“ erzählt und abschließend allen „eine schöne geteilte und geschenkte Zeit“ wünscht. Sie steht auch als „Seelsorgerin des Tages“ für große und kleine Nöte zur Verfügung. Handfeste Informationen werden an einem Stand im Foyer vermittelt, der täglich von einer anderen gemeinnützigen Organisation genutzt wird. Außerdem erfährt man, wo außerhalb der Vesperkirchenzeiten Mittagstische angeboten werden. „Das Thema Teilhabe an der Gesellschaft soll noch mehr über das ganze Jahr ausgedehnt werden“, nennt Dekanin Kath ein wichtiges Anliegen.
Teilhabe umfasst nicht nur das Dazugehören zur mittäglichen Essensgesellschaft, sondern auch zu kulturellen Genüssen. Deshalb ist ein Kulturprogramm stets Teil der Vesperkirche. Heute Abend steht in der Thomaskirche ab 19.30 Uhr eine Lesung mit musikalischer Umrahmung unter dem Titel „Auf der Suche nach Licht“ auf dem Programm, veranstaltet von Renate und Bertram Schattel. Geöffnet ist die Vesperkirche bis einschließlich 12. Februar täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr, von 12 bis 14 Uhr gibt es Essen gegen einen Mindestobolus von 1,50 Euro.
