Schlierbach. Es ist ein Glück, dass sich in einigen Gemeinden die Tradition der Laientheatergruppen am Leben hält und engagierte Menschen diese Form der Volkskultur
pflegen. In der voll besetzten Dorfwiesenhalle war das Publikum vom Auftritt der Theaterbühne des TSV Schlierbach unter der Regie von Armin Kaiser begeistert.
Schauplatz der Komödie mit dem Titel „Opa, jetzt langt’s!“ war ein Bauernhof im schwäbischen Voralbgebiet. Dort arbeitete sich die gleichermaßen geizige wie händelsüchtige Bäuerin ständig an ihrem Schwiegervater, dem Opa, ab. Die Ragall gönnte dem alten Mann weder sein Handy, noch dessen Motorrad und schon gar nicht solchen Firlefanz wie „Cappuccino von Saeco“. Opa Karl, ein herzensguter Mensch, ließ sich jedoch nicht unterkriegen und kümmerte sich derweilen rührig um seine leicht demente Frau, Oma Lena.
Da trat nun der Versicherungs- und Staubsaugervertreter Friedlich auf den Plan und geriet ob Omas Verwirrtheit schier an den Rand der Verzweiflung. Die glänzend aufgelegte Mimin Gabriela Tschickart verkörperte ideal Oma Lena, welche ständig mit dem Kopf wackelte und zumeist herrlich „auf dem Schlauch stand“. Die der alten Dame avisierte Heimkehr der Enkeltochter aus Italien und eine ins Auge gefasste Goldhochzeitsreise dorthin, verleitete sie dazu, dauernd die Geschehnisse unter italienischen Vorzeichen zu sehen – ein gelungener „Running Gag“.
Mit einem Verkehrsunfall und einem Diebstahl nahm nun eine Verwechslungskomödie par excellence ihren Lauf. Das Bestatter-Ehepaar Grabemann landete durch den Unfall auf dem Hof und wurde sogleich mit der wenig ausgeprägten Gastfreundschaft der Bäuerin konfrontiert. Diese war geschockt, weil angeblich Opa alle Wertsachen und das Schwarzgeld gestohlen hatte, dann in den Unfall verwickelt wurde und nun eingepackt im Krankenhaus lag. Das war jedoch ein Trugschluss. Tatsächlich versteckte sich der quietschfidele alte Herr im Holzschuppen und dirigierte von dort aus mit allerlei Schreiben und Testamenten die Irrungen am Hof. Für den größten Schock sorgte das von Opa verfügte Erbe an den Hundefriedhof Kirchheim.
Die grenzenlose Gier der Bäuerin zeigte sich sowohl am überhöhten Zimmerpreis für die Gäste als auch bei der Erstellung der Liste des Diebesguts für die Polizei. Der rechtschaffene Bauer wurde zusehends in die illegalen Aktionen seiner Frau hineingezogen. In diesem Chaos griff nun die aus Italien heimkehrende Resi, Opas geliebte Enkelin, ins Geschehen ein. Ob ihrer Essengelüste war schnell klar, dass sie schwanger war. Im Schlepptau hatte sie ihren Liebhaber Thomas, der jedoch als Italiener verkleidet daherkam und sich nicht gleich als Vater outete.
Der von Oma betrunken gemachte Vertreter, die zwangsurlaubenden Grabemänner und die Enkelin samt „Italiener“ machten das Beste aus der verqueren Lage und zogen tanzend und das Lied „Azzuro“ singend über die Bühne. Eine gute Mikrofonanlage ließ alle Besucher in der Halle die Handlung auf der Bühne bestens verfolgen. Das geschmackvolle Bühnenbild und eingespielte Tonsequenzen vom krähenden Hahn oder Fahrzeuglärm trugen das Ihre zu einem optimalen Genuss bei. Auch kulinarisch überzeugte die Veranstaltung.
Nachdem alle Sachverhalte klar und stattliche Geldvermögen gesichert waren, löste sich alles in Wohlgefallen auf: Der Opa hatte seine Ziele erreicht und sogar die wortgewaltige Bäuerin gelobte Besserung im Umgang mit den Senioren und bei ihrem Geiz. Mit einem tagesaktuellen Kommentar zur drohenden Strafe wegen Steuerhinterziehung auf dem Hof, schloss Magda eine gelungene Aufführung: „Dreieinhalb Jahre und Bettwäsche vom BVB!“.
