Owen. Es ist nicht so, dass die Stadt Owen wegen des neuen Haushaltsrechts plötzlich mehr Geld ausgibt oder aber weniger Geld einnimmt als nach dem alten System. Es ist nur so, dass in der Doppik auch die Abschreibungen zu erwirtschaften und deshalb eben auszuweisen sind. Somit ergibt sich für den Haushaltsplan 2013, den Bürgermeisterin Verena Grötzinger in der jüngsten Sitzung des Owener Gemeinderats vorgestellt hat, ein Fehlbetrag von 510 000 Euro. Nach altem Recht hätte es zwar auch ein Minus gegeben, aber dieses würde – in Form einer negativen Zuführungsrate – „nur“ knapp 100 000 Euro betragen.
Noch größer und gewissermaßen auch drastischer wird der Unterschied der Ergebnisse nach beiden Buchführungsmethoden in den Jahren 2015 und 2016: Vorgesehen ist für diese beiden Jahre ein doppisches Defizit von 215 000 Euro beziehungsweise gerade noch 40 000 Euro. Somit könnte Owen 2016 also das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts erreichen – erstmals seit der Umstellung auf die Doppik. Nach den Prinzipien der Kameralistik allerdings hätten sich Rat und Verwaltung der Stadt für beide Jahre auf stattliche positive Zuführungsraten freuen können: für 2015 auf 260 000 Euro und für 2016 sogar auf 440 000 Euro.
Eines aber ändert sich auch im neuen Haushaltsrecht nicht: die „Wechselwirkungen mit dem Finanzausgleich“, die Verena Grötzinger deshalb auch nur kurz erwähnte: „Wir hatten in den letzten Jahren immer Glück, weil die Gewerbesteuereinnahmen hoch waren, wenn auch die Umlagen hoch waren. Es kann aber auch mal anders laufen. Da sind wir dann machtlos.“
Die Stadt Owen sei zwar „ganz gut aufgestellt“, meinte die Bürgermeisterin. Aber trotzdem glaubt sie nicht, „dass wir eine Zeit bekommen, in der finanziell und wirtschaftlich alles ,ganz entspannt‘ ist.“ So „ganz entspannt“ dürfte Verena Grötzinger derzeit auch im Blick auf die Personalentwicklung nicht sein. Immerhin erwähnte sie in ihrer Haushaltsrede, dass binnen Jahresfrist – also bis April 2014 – drei Stellen neu zu besetzen seien. Unter anderem wird bis dahin die Nachfolge von Kämmerer Werner Kazmaier zu regeln sein, der von seiner „Schlüsselstelle“ im Rathaus viele Bereiche in den letzten Jahren maßgeblich mitgestaltet habe. Nicht zuletzt hat er es jetzt noch in die Hand genommen, den Owener Haushalt doppisch aufzustellen – 2013 bereits zum zweiten Mal.
Ob Doppik oder Kameralistik, die wichtigsten Posten bleiben – wie bereits erwähnt – davon unberührt. Als wesentliche Punkte auf der Einnahmenseite gehören dazu die Gewerbesteuer, die für 2013 mit rund zwei Millionen Euro veranschlagt ist, und der Einkommensteueranteil, der bei knapp 1,8 Millionen Euro liegen soll. Bei den Ausgaben stehen ganz oben die Umlagen mit 2,9 Millionen Euro, gefolgt von den Personalausgaben, die mit rund 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen. Um die Haushaltslage grundsätzlich zu verbessern, schließt Owens Bürgermeisterin auch Gebührenerhöhungen nicht aus: „Unser vorrangiges Ziel muss sein, die Gebühren und Entgelte für konkrete Leistungen, die auch einen Gegenwert haben, wie zum Beispiel Kindergartengebühren und Mieten für die öffentlichen Gebäude, zu überprüfen und unter Berücksichtigung der Sozialverträglichkeit angemessen zu gestalten.“
An Investitionen ist für 2013 nicht viel vorgesehen. Der Haushaltsplan stuft im Vorbericht nur die Neugestaltung des Eingangsbereichs der Teckhalle und den Neuausbau der Wehrbachstraße als „nennenswert“ ein. Nennenswert sind auch die liquiden Mittel, die derzeit bei gut vier Millionen Euro liegen und die in etwa der allgemeinen Rücklage aus der Kameralistik entsprechen. Dem steht ein Gesamtschuldenstand von 619,46 Euro pro Kopf gegenüber, was aber noch um 31,54 Euro unter dem Landesdurchschnitt von Ende 2011 liegt.
