Gemeinde übernimmt höheren Anteil an Kindergartenkosten
Partnerschaft geht weiter

13 aufmerksame Zuhörer im Neidlinger Gemeinderat, das war ein Rekord. Ein Großteil ging mit riesiger Erleichterung: Die Zukunft des Evangelischen Kindergartens Wasserschloß ist für die nächsten Jahre gesichert, die Erweiterung für unter Dreijährige wird vermutlich unter dem Dach eingerichtet.

Neidlingen. Den Großteil der Kindergartenkosten bezahlt seit jeher die bürgerliche Gemeinde. Der gesetzliche Mindestzuschuss für freie und private Kindergärten liegt bei 63  Prozent der gesamten Betriebsausgaben, Neidlingen gab schon bisher pro Jahr 30 000 bis 35 000 Euro mehr. Lohn der guten Kooperation war ein Kindergarten mit bestem Ruf, mit dem alle Beteiligten sehr zufrieden sind. Vom leer gefegten Arbeitsmarkt für Erzieherinnen ist Neidlingen bislang nicht betroffen. „Es ist immer noch etwas Besonderes, im kirchlichen Kindergarten zu sein“, begründete Bürgermeister Rolf Kammerlander die ungewöhnlich hohe Stellennachfrage.

Nach der bisherigen Finanzierungsvereinbarung schwankte der kirchliche Beitrag an den Betriebskosten zwischen gut sechs und neun Prozent. Das klingt wenig, dennoch stieg dieser Anteil von 18 000 Euro im Jahr 2004 auf über 30 000 Euro im Jahr 2011. Die Zuweisungen, die die kleine Kirchengemeinde vom Kirchenbezirk bekam, reichten dafür bei Weitem nicht aus.

Was tun? Vier Jahre lang hat die Kirchengemeinde mit sehr aktiven Eltern das Fundraisingprojekt „Mit Gottes Liebe wachsen“ gestemmt. Die Aktionen reichten von der Erstellung eines dicken Handbuchs für Kindergeburtstage, über einen Benefiz-Kabarettabend, bis zum Losverkauf auf dem Zwetschgenmarkt. Mit viel Engagement konnte die finanzi­elle Lücke bislang geschlossen werden. Weil klar war, dass dies keine Dauerlösung ist, bat die Kirchengemeinde die bürgerliche Gemeinde eindringlich um Hilfe.

Bisher hatte diese ein weiteres Engagement abgelehnt. Jetzt nicht mehr. Um den Kindergarten in seiner bisherigen Trägerschaft zu erhalten, beschloss der Gemeinderat einstimmig, einem Vorschlag der Kirchengemeinde zu folgen: Diese bezahlt ab 2014 pro Regelgruppe einen Festbetrag von 6 000 Euro, zuzüglich Tarifsteigerungen. Damit übernimmt die bürgerliche Gemeinde jährlich mindestens 11 000 bis 15 000 Euro mehr als bisher. Diese Regelung gilt für zunächst drei Jahre. Anders als bei der bisherigen prozentualen Finanzierung ist die Kirchengemeinde nun nicht mehr direkt von Mehrausgaben betroffen. Daher erfordern organisatorische Änderungen, die zu Mehrausgaben führen, künftig die vorherige Zustimmung der bürgerlichen Gemeinde.

Um im Kindergarten zehn Plätze für unter Dreijährige zu schaffen, gibt es zwei Alternativen. Die vorerst günstigere wäre, dass die ältesten Kinder in ein freies Klassenzimmer der Schule ziehen. Die Schule würde die verbesserte Zusammenarbeit mit dem Kindergarten sehr begrüßen. Dagegen spricht die kompliziertere Betriebsführung des Kindergartens, weil dann nicht mehr alles unter einem Dach wäre. Auch wäre bei dieser Lösung der Personalbedarf um mindestens eine halbe Stelle höher. Der Gemeinderat entschied deshalb, vorrangig den Ausbau der Dachgeschosswohnung über dem Kindergarten weiterzuverfolgen.

Für den Ausbau hat die Architektin und Gemeinderätin Petra Feller (NWV) einen Vorentwurf erstellt. Die Gesamtkosten inklusive neuer Au­ßentreppe werden auf 100 000 Euro geschätzt, doch gibt es einen Zuschuss von bis zu 7 000 Euro pro Platz. Außerdem wären ein Teil der Arbeiten ohnehin zu erledigen, etwa der Austausch der defekten Dachfenster. Auch eine neue, überdachte Abstellanlage für Kinderwagen wäre bei beiden Lösungen nötig. Zum Vergleich: Ein Neubau würde mit geschätzten 211 000 Euro mehr als das Doppelte als der Ausbau des Dachgeschosses kosten.

Nun wird die Planung für das Dachgeschoss weitergeführt und der Zuschuss beantragt, außerdem werden die Vorgaben für eine Betriebserlaubnis geklärt. Die Zeit drängt, bis August soll der Umbau fertig sein. Eine endgültige Entscheidung will der Gemeinderat aber erst treffen, wenn der Zuschuss feststeht. Käme er wider Erwarten nicht, müsste die Gemeinde die rund 100 000 Euro ganz alleine tragen. Das wäre für einen Ausbau, der voraussichtlich nur für ein paar Jahre gebraucht wird, viel Geld. Dann käme wieder die Schule ins Spiel. Kommen die Kleinen unters Dach, könnten davon auch die Großen profitieren: Als zusätzlicher Fluchtweg ist auch eine große Rutsche geplant – die natürlich viel mehr als ein Fluchtweg wäre.

Auch Pfarrerin Ute Stolz kam sichtbar erleichtert aus der Sitzung und wollte sogleich ihre Kirchenpflegerin anrufen. Diese sei zu Hause geblieben, die Spannung war ihr einfach zu groß.