Kirchheimer Bürgerbusfahrer verbrachten ein erlebnisreiches verlängertes Wochenende in Rambouillet
Partnerschaft ist „schönes Abenteuer“

Ganz im Zeichen der Geschichte und der Kultur, aber vor allem auch im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft stand das verlängerte Wochenende, das fünfzig Bürgerbusfahrer in Rambouillet verbracht haben. Nächstes Jahr steht dann schon das nächste „Jubiläum“ an: 45 Jahre Partnerschaft zwischen Rambouillet und Kirchheim.

Rambouillet. Bereits auf der Hinfahrt waren Geschichte und Kultur eng miteinander verknüpft, als die Bürgerbusfahrer gemeinsam in dem Städtchen Château-Thierry einen Zwischenstopp einlegten. Für diesen Stopp gab es einen guten Grund: In Château-Thierry war am 8. Juli 1621 Jean de La Fontaine geboren worden. In Frankreich ist La Fontaine jedem Schulkind bekannt, und zwar durch seine Fabeln. Auch in deutschen Lesebüchern taucht dieser französische Klassiker regelmäßig auf. Das bestätigten die Schüler, die im Kirchheimer Bürgerbus mitfuhren und dafür am „Brückentag“ schulfrei bekommen hatten. Weniger bekannt, und vor französischen Schulklassen auch weitgehend verheimlicht, ist die Tatsache, dass sich La Fontaine außer durch seine moralisierenden Fabeln auch durch pikante und frivole Geschichten einen Namen als Autor gemacht hatte.

Jean de La Fontaine führte ein Leben, in dem er eher ungern weitreichenden Verpflichtungen nachging, wie die Bürgerbusfahrer erfuhren. Selbst seine Ehe stellte für ihn keine lebenslange Verpflichtung dar. Weil aber im 17. Jahrhundert keine Scheidungen möglich waren, trennte sich der Autor bereits nach wenigen Ehejahren von seiner Frau. Dass La Fontaine in einer anderen Zeit lebte, wurde in seinem Geburtshaus, das seit 1876 als Museum eingerichtet ist, ebenfalls deutlich: Im originalgetreu eingerichteten Arbeitszimmer liegen Schreibfedern auf dem Tisch. Und eine Kerze deutet an, dass im 17. Jahrhundert auch bei Nacht andere Arbeitsbedingungen herrschten als heutzutage.

Eine weitere Zeitreise folgte bereits am nächsten Tag: In Paris gab es eine Führung durch historische Einkaufspassagen im zweiten und im neunten Arrondissement. Sämtliche Passagen waren zwischen 1800 und 1850 entstanden und boten seinerzeit die hochwillkommene Gelegenheit für die Bürger der französischen Hauptstadt, promenieren und einkaufen gehen zu können, ohne den Gefahren des Straßenverkehrs in der Zeit vor Erfindung des Automobils ausgesetzt zu sein und ohne sich mit dem Dreck der Straße zu beschmutzen, der damals herrschte und der aus heutiger Sicht wahrscheinlich unerträglich wäre. Außerdem ging es um die Tagespolitik von einst, die in diesen Passagen lebhaft diskutiert worden war: Würde sich der Konsul Napoléon Bonaparte tatsächlich zum Kaiser krönen lassen? War es nicht eine kolossale Frechheit von ihm, dass er sich die Krone schließlich selbst aufs Haupt setzte? All das war Gesprächsstoff in den Passagen, wo sich die Bürger ihre Zeitungen nicht nur kaufen konnten. Nein, sie konnten die Zeitung sogar gegen eine kleine Gebühr ausleihen, und selbst einzelne Seiten waren leihweise zu haben.

Nach einem Picknick im „Jardin des Tuileries“, mit Blick auf die Louv

­re-Pyramide auf der einen und auf den Eiffelturm auf der anderen Seite, gab es noch eine Stadtrundfahrt mit dem Bürgerbus durch das gesamte Zentrum von Paris. Alle Sehenswürdigkeiten boten sich zum Fotografieren dar und wurden außerdem kompetent von einer Stadtführerin erklärt. So kamen alle auf ihre touristischen Kosten, bevor es abends zum Empfang im Sitzungssaal des Rathauses von Rambouillet ging.

Stellvertretend für Bürgermeister Gérard Larcher sprach die Gemeinderätin Janine Christienne, die vom Ratsgremium zur Partnerschaftsbeauftragten gewählt wurde. Die bisherigen 44 Jahre der Städtepartnerschaft bezeichnete sie als ein „sehr, sehr schönes Abenteuer“. Der deutsch-französische Austausch bestehe zwischen Kulturtreibenden, zwischen Sportlern, zwischen sonstigen Organisationen und nicht zuletzt zwischen den Schulen. Der Bürgerbus wiederum sei der Garant dafür, dass sich alle Bürger aus Rambouillet und Kirchheim an der Partnerschaft beteiligen können, auch unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft. „Jede Begegnung und jeder Austausch bietet die Gelegenheit, neue Verbindungen zu knüpfen oder alte Freundschaften zu vertiefen“, sagte Janine Christienne im Ratssaal.

Nächstes Jahr hätten Kirchheim und Rambouillet das 45-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft zu feiern, die 1967 in Rambouillet offiziell besiegelt worden war, meinte die Partnerschaftsbeauftragte, bevor Michel Grall, der Präsident des Kirchheim-Partnerschaftskomitees in Rambouillet, an ein kleines Bürgerbusjubiläum erinnerte. Seit 40 Jahren verbinde der Bürgerbus nun schon Kirchheim und Rambouillet. Er dankte den Kirchheimer Bürgerbus-Organisatoren Klaus und Ramona Winkler, die sich ihrerseits bei allen rambolitanischen Gastgebern für den herzlichen Empfang der Kirchheimer Bürgerbusfahrer bedankten. Zum Auftakt des „Jubiläums“ im kommenden Jahr überreichten sie den französischen Verantwortlichen als sichtbares Zeichen der Verbundenheit bereits Kalender für das Jahr 2012 mit Kirchheimer Motiven.

Weitere Möglichkeiten, die persönlichen Freundschaften zu pflegen, bestanden am Samstag, den Gäste und Gastgeber zur freien Verfügung hatten. Beim abschließenden Festbankett am Samstagabend und erst recht beim Abschied am Sonntagmorgen stand für alle Beteiligten bereits fest, dass auch der Gegenbesuch des französischen Bürgerbusses im kommenden Jahr nichts anderes werden kann als ein weiterer voller Erfolg für die Städtepartnerschaft zwischen Kirchheim und Rambouillet.