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1100 Helfer tragen Abfall zusammen

Markungsputz Was in Kirchheim normalerweise während zwei Wochen an Müll zusammenkommt, sammeln Freiwillige in wenigen Stunden ein. Von Thomas Krytzner

Für Gabriele Armbruster war es die erste Putzete in ihrem Amt als Jesinger Ortsvorsteherin. Mit Reinhold Ambacher fand sie auf d
Für Gabriele Armbruster war es die erste Putzete in ihrem Amt als Jesinger Ortsvorsteherin. Mit Reinhold Ambacher fand sie auf dem Weg zum Sportplatz eine unerlaubte „Mülldeponie“.Foto: Thomas Krytzner

Für die einen ist es Tradition, für die anderen Arbeitsalltag und für die Jesinger Ortsvorsteherin Gabriele Armbruster eine Premiere. Sie nahm zum ersten Mal am Markungsputz für ein sauberes Kirchheim teil. Am Samstagmorgen versammelten sich rund 30 freiwillige Helferinnen und Helfer beim Feuerwehrmagazin in Jesingen, um dem Unrat zu Leibe zu rücken. Gabriele Armbruster zeigte sich begeistert: „Das sind mehr, als sich angemeldet hatten. Es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sich für andere einzusetzen.“

Im Vorfeld der Markungsputzete hatten rund 800 Schülerinnen und Schüler sowie Kindergartenkinder in Kirchheim den Müll rund um die Schulen und Kindergärten eingesammelt. Baubetriebsleiter Michael Thiehoff freute sich nicht nur über die große Anzahl an Kindern und Jugendlichen, sondern auch über die kurzfristige Teilnahme. „Wegen Corona machen wir die Markungsputzete erstmals im Oktober. Wir hatten befürchtet, dass die Anmeldefrist wegen der Sommerferien für die Schüler zu knapp ist.“ Umso mehr lobte der Leiter des Baubetriebshofs, dass so viele junge Müllsammler unterwegs waren. „Für uns ist es wichtig, die Bevölkerung möglichst früh für die Müllproblematik zu sensibilisieren.“ Für sechs Mitarbeiter des Bauhofs bedeutete der Markungsputz Samstagsarbeit. Was die Vereine, Gruppen und Privatpersonen in den Kirchheimer Stadtteilen sammeln, transportieren sie auf das Gelände des Baubetriebshofs. Einer der Mitarbeiter ist Claudio Pascariuc. Er lud bei der Lindachschule rund 20 große Müllsäcke auf seinen Lastentransporter. „Die 140 Schüler haben fleißig Müll zusammengetragen.“ Was er zum Hof fährt, wird dort umgehend sortiert. „Wir trennen unter anderem nach Schrott, Papier und Batterien. Der Rest wandert in den großen Müllcontainer“, erklärt Michael Thiehoff.

Die gesammelte Menge an Müll war enorm: Trugen im März 2020 rund 750 Schülerinnen und Schüler und Freiwillige noch zehn Kubikmeter Müll zusammen, war es in diesem Jahr mehr als doppelt so viel. „Ich schätze den Abfallberg auf rund 25 Kubikmeter. Das ist in etwa die Menge, die unsere Mitarbeiter während zwei Wochen im Stadtgebiet sammeln.“ Michael Thiehoff ist guter Dinge: „Es gibt mittlerweile sehr viele Menschen, die sich für ein sauberes Kirchheim einsetzen.“ In diesem Jahr stellte der Baubetriebsleiter fest, dass immer mehr Menschen herumliegenden Müll melden. „Das lässt mich hoffen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in einer sauberen Umgebung leben will.“ Er ärgert sich zwar über einzelne Müllsünder, „aber wir kennen die Plätze mittlerweile, wo einiges liegen bleibt“. Michael Thiehoff wünscht sich, dass die Mülleimer in der Stadt benutzt werden und der Abfall nicht gedankenlos weggeworfen wird.

Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader beteiligte sich erneut an der Putzaktion. Samt Pressesprecher Robert Berndt sammelte er mit einem Team am Kirchheimer Bahnhof zusammen, was andere dort entsorgt hatten. „Ich bin sprachlos, was man alles findet“, sagt er und berichtet von weggeschmissenen Fahrrädern und einem Rollstuhl. Der Rathauschef ärgert sich über zahlreiche Müllsäcke, die an einer Böschung entlang der Bahn entsorgt worden waren.

Radkappen und Farbeimer

Kurioses fanden auch die Mitglieder des Bogenschützenvereins „TradBogner von der Teck“: „Neben einem ausgedienten Tintenstrahldrucker und einem Sack voller Sicherungen aus einem Schaltschrank entdeckten wir auf unserer Tour zwei Eimer mit weißer Farbe, diverse Radkappen und ein intaktes Multitool, das neu mehr als 100 Euro kostet“, berichtete einer der Bogenschützen.

Oberbürgermeister Pascal Bader ist überzeugt: „Es ist sinnvoll, wenn man immer wieder sauber macht.“ Er lobte die 1100 Helfer beim gemeinsamen Imbiss für ihren Einsatz an der Markungsputzete und motivierte gleichzeitig: „Wir leben in einer schönen Umgebung. Wir sollten uns unsere Landschaft erhalten.“

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