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3-D-Gedrucktes zum Frühstück

Zum Artikel „In dieser Werkstatt wird viel geredet“ vom 18. September

Man stelle sich vor: morgens mal schnell einen Donut aus dem 3-D-Lebensmitteldrucker gelassen. Damit bekommen wir unsere äußere und innere Grenze aufgezeigt, die wir nicht überschreiten, um uns nicht selbst zu zerstören. Dann auf kurzen Radwegen durch blühende Lavendelfelder hin zum Aussichtsturm, der uns noch einen letzten Blick auf das Biosphärengebiet Schwäbische Alb bietet. Zeit haben wir ja genug, denn mit Bundestagswahl und Diskussionen über Klimaschutz, Transformation und CO2-Abgaben müssen wir uns nicht mehr beschäftigen. Die Wirtschaft hat die Politik ja längst überholt und ist zu 100 Prozent grün und CO2-neutral. Auf dem Rückweg vorbei an großen Hallen, in denen auf mehreren Etagen Lebensmittel produziert werden, um sich einen Kanister Essen für den 3-D-Drucker abfüllen zu lassen. Dem Hightech-Vorzeige-Vorhaltestandort sei Dank.

Kompensation ist notwendig, um einen Eingriff mit negativen Folgen zumindest in Teilen auszugleichen. Deshalb lernen wir im nächsten Workshop, wie wir bei Nacht mit riesigen, von Solar­strom betriebenen Ventilatoren in jeder Sekunde die nun fehlenden 4000 Kubikmeter Kaltluft Richtung Kirchheim blasen. Wenn dann noch Zeit bleibt, können wir endlich doch noch die ganzen Gutachten (Umweltbericht, Lokalklimatische Untersuchung, . . .) lesen und überlegen, ob alleine die Nähe zur A 8 ausreicht, um einen Vorhaltestandort mitten in einem wichtigen Regionalen Grünzug zu entwickeln. Da Produktion und Handel dank Globalisierung nicht an der Grenze der Region Stuttgart enden, finden sich vielleicht Standortalternativen - wie ein weiter Blick von der Teck bestätigen kann. Ganz im Ernst: Denkt noch mal genau nach, bevor ihr den Hungerberg opfert - und in der Region die Lichter ausgehen.

Michael Schweikert, Kirchheim

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