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30,8 Millionen für zwei neue OP-Säle und einen Bettentrakt

Gesundheit Die Bilanzen der kreiseigenen Medius-Kliniken lesen sich von Jahr zu Jahr besser. Jetzt wird der Krankenhaus-Komplex erweitert. Von Uwe Gottwald

Das Modell zeigt die Pläne für die neuen Räumlichkeiten auf dem Krankenhausgelände in Nürtingen. Foto: Medius-Kliniken
Das Modell zeigt die Pläne für die neuen Räumlichkeiten auf dem Krankenhausgelände in Nürtingen. Foto: Medius-Kliniken

Der wirtschaftliche Erfolg ist für die Medius-Kliniken von grundlegender Bedeutung. Vor knapp einem Jahrzehnt schwebte noch das Damoklesschwert der Privatisierung über den Kreis-Kliniken. Das wollten Landrat Heinz Eininger und die Kreistagsmitglieder verhindern, bekannte man sich doch zu den Kliniken im Sinne einer öffentlichen Daseinsvorsorge. Also biss man in den sauren Apfel, der Landkreis übernahm Altschulden der Kliniken von insgesamt 120 Millionen Euro, die immer noch abgezahlt werden müssen. Bedingung war allerdings, dass die Kliniken ihren Betrieb und alle künftige Investitionen selbst erwirtschaften müssen. So wird jeder Euro, den die Kliniken auf der Habenseite verbuchen, wieder in die Häusern reinvestiert.

Kräh setzt auf Spezialisierung

Der Aufschwung kam mit dem neuen Geschäftsführer Thomas Kräh. Er setzte auf Spezialisierung an den drei Standorten und lotste hoch qualifizierte Ärzte in den Landkreis. Der Erfolg blieb nicht aus - immer mehr Menschen, auch von außerhalb des Kreises, schenken den Medius-Kliniken ihr Vertrauen. Und das ist auch für den betriebswirtschaftlichen Aufschwung notwendig, werden die Kliniken doch für die Anzahl und auch die Art der Fälle vergütet. So stieg die Patientenzahl der Kliniken jährlich um rund drei Prozent. Waren es 2012 noch 42 211 Patienten, zählte man 2018 bereits 48 619 Behandlungen.

Bei der stationären Versorgung sind Engpässe mittlerweile nicht ausgeschlossen. „Eine Erweiterung ist dringend notwendig“, betonte Landrat Eininger im Esslinger Kreistag. So sollen auf dem Nürtinger Säer ein Bettentrakt und zwei neue Operationssäle angebaut werden. Der zweigeschossige Bettentrakt, der Richtung Albtrauf hin ausgerichtet ist, bietet Platz für 72 Betten, bisher gibt es 331 in Nürtingen. Die Operationssäle sind universell nutzbar, sollen aber vor allem der im Aufbau befindlichen Klinik für Gefäßchirurgie dienen, erklärte Klinikleiter Norbert Nadler. Für später sind eine neue Notaufnahme mit Hubschrauberlandeplatz, die Zentralapotheke für alle drei Kliniken, ein kleineres Verwaltungsgebäude und eine erweiterte Station zur Aufbereitung von Sterilgut geplant. „Das hängt allerdings von den finanziellen Möglichkeiten ab“, so Norbert Nadler.

Die Förderzusage des baden-württembergischen Sozialministeriums für die jetzt beschlossenen Vorhaben liegt vor, der Bedarf wird anerkannt. Ein Wermutstropfen sind die Ausschreibungsergebnisse, die höher als erwartet ausfielen. Zum einen ist dafür die Baukonjunktur verantwortlich, zum anderen auch bauliche Notwendigkeiten. Um niveaugleich an bestehende Operationssäle anzuschließen, müssen beispielsweise die beiden neuen angehoben werden, und zwar wegen des Erdbebenrisikos und des problematischen Untergrunds mit einer tiefen Gründung.

6,2 Millionen mehr als geplant

Gegenüber den Annahmen vom vorigen Jahr liegen die Kosten mit rund 30,8 Millionen Euro für Bettentrakt und OP-Säle um rund 6,2 Millionen Euro höher. Nach Abzug der Zuschüsse müssen die Medius-Kliniken davon 16,4 Millionen Euro selbst tragen. Ob der Zuschuss wegen der Mehrkosten erhöht wird, ist noch unklar, ein Antrag dazu wurde gestellt. Die OP-Säle sollen bereits Ende nächs­ten Jahres in Betrieb genommen werden, der Bettentrakt circa ein Jahr später.

Für Marianne Erdrich-Sommer von der Grünen ist die Investition ein Beispiel dafür, dass der finanzielle Erfolg den Patienten zugutekommt. SPD-Mitglied Steffen Weigel betonte zwar, dass die Entscheidungen der Geschäftsführung richtig gewesen seien, hielt es allgemein aber für bedenklich, dass Kliniken nur noch mit Wachstumsstrategien bestehen könnten.

Die Medius-Kliniken wachsen. Hier der Eingangsbereich des Nürtinger Krankenhauses. Foto: Jean-Luc Jacques
Die Medius-Kliniken wachsen. Hier der Eingangsbereich des Nürtinger Krankenhauses. Foto: Jean-Luc Jacques
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