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Abnehmer für Toiletten-Bons vergeblich gesucht

WC Das „rail&fresh“ am Plochinger Bahnhof schluckt einen Euro, rückt aber keinen Bon heraus – ein Erlebnisbericht.

Sieht ordentlich aus, ist aber auch ordentlich teuer: Die Toilette am Plochinger Bahnhof. Foto: Karin Ait Atmane
Sieht ordentlich aus, ist aber auch ordentlich teuer: Die Toilette am Plochinger Bahnhof. Foto: Karin Ait Atmane

Plochingen. Schnell noch auf die Toilette vor der nächsten S-Bahn. Der suchende Blick fällt auf ein gelbes WC-Schild, das in Richtung Busbahnhof weist, zum grauen Betonwürfel unter dessen Dach. Der zeigt sich aber mit dem Aushang „Geschlossen. Bitte benutzen Sie das WC im Bahnhofsgebäude“ wenig gastfreundlich. Also Kehrtwende und zurück: Die Erlösung wartet an der Ecke des Bahnhofsgebäudes, eine Toilette mit Rampe, behindertengerecht und tatsächlich auch in Blau beschildert.

Wer das „rail & fresh“-System kennt, hätte wahrscheinlich dessen Design erkannt, auf andere wirkt es eher wie eine Kühlhaustür. Am Automaten heißt es einen Euro einwerfen und einen Bon ziehen. Das kennt man von Autobahnraststätten, wo man meist den Restwert in einen Kaffee investiert. „Mitnehmen und gleich eintauschen“, steht auch hier an dem Schlitz, der den Wertbon ausspucken soll. Was er nicht tut: Die WC-Tür schwingt auf, es rattert im Automaten, aber raus kommt nichts.

Immerhin: Die Toilette ist geräumig, auch ein Wickeltisch ist vorhanden. Die WC-Brille verfügt laut Nutzerhinweis an der Tür über eine automatische Reinigung, die nach jeder Benutzung vollzogen werde. Ein anderes Plakat rechtfertigt den Preis mit der „täglichen Reinigung, Pflege und Betreuung“ der Anlage. Allerdings klebt der Boden so sehr, dass die Schuhsohlen auch nach Verlassen des WCs noch eine Weile laut schmatzen. Und der Seifenspender am Waschbecken ist leer.

Es geht auf die Suche nach einer Möglichkeit, wo der Wertbon - so man einen bekommen hätte - einzulösen wäre. Fehlanzeige in der Bäckereifiliale, wo es heißt: „Die Toilette ist von der Bahn, das hat mit uns nichts zu tun“. Auch die Verkäuferin im kleinen Zeitschriften- und Buchladen schüttelt den Kopf: „Das kann man hier gar nicht einlösen, nur in großen Bahnhöfen“, sagt sie. Beim Döner-Imbiss gibt‘s auch nur Kopfschütteln.

Am Bahnschalter gibt es die Bestätigung: Die nächste Einlöse-Möglichkeit sei am Bahnhof in Stuttgart. Damit sind die Anlaufstellen im Plochinger Bahnhof schon erschöpft, außer einer SB-Filiale und der leer stehenden Eck-Kneipe ist hier nichts mehr.

Auf Nachfrage bestätigt die Pressestelle der Hering Sanikonzept GmbH, die die rail & fresh-WCs betreibt, dass sie in Plochingen bislang keinen Werbepartner habe. In solchen Fällen, „wenn wir weniger als zwei Partner an Bahnhöfen haben“, könne der Bon aber „an unseren Münzautomaten für den nächsten Toilettengang eingelöst werden.“ Hilfestellung dabei bekommen die Kunden am Automaten nicht, es bleibt rätselhaft, in welchen Schlitz man das Papier stecken muss: Wo es rausgekommen ist oder in den Geldschein- oder den Karteneingang? Die Antwort bleibt offen. Fazit: ein teurer Toilettengang, der kaum ein Versprechen hält.Karin Ait Atmane

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