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Abstecher in den Bauch der Alb

Ausflugstipp Die Besichtigung der Gutenberger Höhle ist eine spannende Reise in die Erdgeschichte. Gefunden wurden darin besondere Knochen. Von Anke Kirsammer

Gebannt lauschen die Sechstklässler den Ausführungen Siegfried Guggenbergers zum Fund der Gutenberger Höhle.Foto: Carsten Riedl
Gebannt lauschen die Sechstklässler den Ausführungen Siegfried Guggenbergers zum Fund der Gutenberger Höhle.Foto: Carsten Riedl

Einen Ausflug der etwas anderen Art haben Sechstklässler der Lenninger Realschule erlebt: Siegfried Guggenberger nimmt sie mit auf eine spannende Reise in die Erdgeschichte. Und bevor es hineingeht in die Gutenberger Höhle, erfahren die Schülerinnen und Schüler auch, wie das geologische Kleinod gefunden wurde. „Hier war eine Wand“, macht der Höhlenführer den Kindern im Heppenloch, der Vorhalle, mit einer ausladenden Handbewegung klar. Sie sei bis 1889 nicht bekannt gewesen. Ungläubige Blicke erntet er, als er erzählt, eine gute Handvoll Menschen habe sich damals mit dem Gutenberger Pfarrer Karl Gußmann ein halbes Jahr lang mit Hammer und Meißel 15 Meter weit durch Lehm und Kalkstein gekämpft. „Habt ihr eine Ahnung, was sie gesucht haben?“, fragt er. Nein, Gold und Silber sind es nicht, wie ein Junge vermutet. „Gußmann wollte Knochen von menschenähnlichen Lebewesen, finden“, erklärt Siegfried Guggenberger. „Dann wirst du weltberühmt“, so habe sich der Höhlenforscher gedacht. Insgesamt stieß er auf Knochenteile von 600 Skeletten. Der Fund war damals eine Riesensensation. In der nur einen Steinwurf entfernten Gußmannhöhle sei man dagegen lediglich auf zwei „mickrige Zähne“ von Mammuts und auf Tierknochen gestoßen. Berühmt aber wurde der Höhlenforscher durch besondere Knochenfunde: den eines Berberaffen und den einer Wolfsunterart, einem Steppentier. „Das war der Beweis dafür, dass hier eine Warmzeit herrschte und das Klima auf der Schwäbischen Alb ganz anders war als heute“, erklärt der Natur- und Landschaftsführer. Auch das Alter der Knochen überrascht die Mädchen und Jungen: Auf mindestens 120 000 Jahre werden sie geschätzt. Angenommen wird, dass sich dann ein Pfropf bildete, der den Eingang der Gutenberger Höhle verschloss.

Viel Wissenswertes nehmen die Schülerinnen und Schüler von diesem Ausflug nach Hause mit. Drinnen muss sich der Höhlenführer pandemiebedingt eher kurz fassen. Nur knappe Hinweise gibt es im Eingangsbereich zu den Knochennachbildungen in einem Schaukasten, zu den Stufen im Gestein und den Markierungen, die noch von Karl Gußmann stammen. Die gotische Halle verdanke der „Kanzel“ ihren Namen. In der maurischen Halle geht es vorbei am „versteinerten Wasserfall“. Aufgrund der Regenfälle in den vergangenen Tagen tropft es ab und an von der Decke. Kindgerecht erklärt Siegfried Guggenberger: „Wo kein Wasser ist, bilden sich auch keine Tropfsteine.“ Er weist auf kleine Röhrchen an der Decke. - „Höhlenmakkaroni“, wie er sie nennt. „Das ist der Anfang von großen Tropfsteinen. Die wachsen in 100 Jahren nur einen Zentimeter in die Länge.“ Nach schmalen Durchgängen und einer großen Biegung gelangt die Gruppe in die Halle, die am weitesten entfernt ist vom Eingang: „Hier sitzen von November bis April die Fledermäuse und halten Winterschlaf“, so Siegfried Guggenberger. Das ganze Jahr über herrscht eine Temperatur von acht Grad in der Höhle. „Das ist ja so kalt wie in einem Kühlschrank“, entfährt es einem Jungen. Dann werden die Kinder zu einem Experiment aufgefordert, das ihnen gar nicht so leicht fällt: „In einer Höhle herrscht absolute Ruhe und Dunkelheit. Genießt den Moment“, sagt die Lehrerin Angela Reimer. Erst nach dem eindeutigen Startsignal „auf die Plätze fertig los!“ verstummt das letzte Kichern. Für wenige Augenblicke deckt sich nicht nur Finsternis über alles. Abgesehen von vereinzeltem Tropfen ist auch nichts zu hören.


SiegfriedGuggenberger
SiegfriedGuggenberger

Moderne Leuchten setzen Tropfsteine in Szene

Gebannt lauschen die Sechstklässler den Ausführungen Siegfried Guggenbergers zum Fund der Gutenberger Höhle.Foto: Carsten Riedl
Gebannt lauschen die Sechstklässler den Ausführungen Siegfried Guggenbergers zum Fund der Gutenberger Höhle.Foto: Carsten Riedl

Wegen Corona blieben die Gutenberger Höhlen im vergangenen Jahr geschlossen. Die Zeit nutzte die Gemeinde Lenningen, um sie mit einer modernen Elektrik auszustatten. Neue Kabel mussten eingezogen werden. Außerdem wurden die Wege saniert. Inklusive der Arbeiten des Bauhofs ließ sich die Kommune das Projekt rund 50 000 Euro kosten. Das gelbliche LED-Licht leuchtet besonders schöne Tropfsteinformationen an. Anders als die früheren Glühlampen verursacht es keine Algenbildung.

Führungen in der Gutenberger Höhle gibt es derzeit samstags um 13 und um 14.30 Uhr. An Sonn- und Feiertagen kann sie besichtigt werden um 10, 11.30, 13 und um 14.30 Uhr. Start ist am Eingang der Höhle. Tickets können online gebucht werden unter www.lenningen.de. Bei durchgehend schlechtem Wetter bleibt die Höhle geschlossen. Gruppenführungen sind auch unter der Woche möglich. Sie können über die Ortschaftsverwaltung unter der Nummer 0 70 26/6 09 45 vereinbart werden.ank

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