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„Absurd und unwissenschaftlich“

Zum Artikel „Bund stoppt Versteigerung von Honeckers Orden“ vom 15. Juli

Gegen die Versteigerung von Nazi-Devotionalien durch das Auktionshaus Thies am vergangenen Samstag haben im Rahmen eines „kritisch-plakativen Spaziergangs“ nicht nur Vertreter der Linken, sondern auch zivilgesellschaftlich Aktive aus anderen Bereichen (unter anderem attac, AK Asyl, Bündnis 90/Grüne, GEW et cetera) protestiert. Konkret ging es unter anderem um eine Silberschatulle aus dem Privatbesitz von Adolf Hitler, die mit 100 000 Euro angesetzt war.

Das Unterschreiben einer Erklärung nach Paragraf 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen), das Herr Thies von seinen Kunden verlangt, dient vor allem seiner eigenen rechtlichen Absicherung und verhindert keinesfalls, dass die „Dinge in die falschen Hände kommen“.

Völlig absurd und „unwissenschaftlich“ ist die Aussage von Andreas Thies, wenn Relikte aus der „Zeit des Dritten Reichs“ (damit meint er wohl etwa die Schirmmütze Hitlers, die er 2019 für 525 000 Euro versteigert hatte) nicht mehr „gezeigt werden dürften“, dann gäbe es „nichts mehr zu sehen“ und man könne nicht „erklären, dass es diese Zeit einmal gegeben hat.“

Eine Nachfrage beim Deutschen Historischen Museum Berlin, beim NS-Dokumentationszentrum München und bei der NS-Gedenkstätte Obersalzberg ergab: Die Aussage des Auktionators, häufig seien es Museen, die „solche Stücke ersteigerten“ sei in dieser Allgemeinheit falsch. Museen würden sich zwar gezielt auch an Auktionen beteiligen. Sie müssten mit ihrem sehr begrenzten Etat aber streng darauf achten, dass der historische Aussagewert von Objekten in Relation zum Preis stehe. Horrende Summen wie 100 000 Euro für Hitlers Silberschatulle seien überhaupt nicht bezahlbar für sie.

Hans Dörr, Notzingen

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