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Alles andere als versteinert

Unternehmen Die vierte Generation steht bereit: Franziska und Bernhard Hauff sind zu ihrem Vater in die Geschäftsführung des Urweltmuseums Hauff in Holzmaden eingestiegen und zeigen: Die Tradition lebt. Von Thomas Zapp

Zwei Generationen im Holzmadener Urweltmuseum: Franziska, Bernhard und Rolf Bernhard Hauff. Foto: Carsten Riedl
Zwei Generationen im Holzmadener Urweltmuseum: Franziska, Bernhard und Rolf Bernhard Hauff. Foto: Carsten Riedl

Dass sie irgendwann in das Museum ihres Vaters mit einsteigen würde, war für Franziska Hauff schon lange klar. Mit ihrem Diplom-Studium der Geologie und dem Bachelor in BWL hat sie sich vorbereitet, nun ist die 27-Jährige gemeinsam mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Bernhard in die Geschäftsführung des Urweltmuseums Hauff eingestiegen. Bernhard Hauff hat an der Hochschule Nürtingen-Geislingen ebenfalls BWL studiert mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung. „Ich werde 68, da muss man sich Gedanken machen, wie es weitergeht“, sagt Museumsleiter Rolf Bernhard Hauff.

Dass der Weg steinig ist, wie es schon der Titel der Familienchronik sagt, und ein Museum in der heutigen Zeit alles andere als ein Selbstläufer ist, schreckt die beiden nicht ab. Es geht wie in jedem Unternehmen auch in einem Museum um das Optimieren von Abläufen und Effizienzsteigerung. „Die Vielfältigkeit der Aufgabe fasziniert mich“, sagt Bernhard Hauff. Er konnte auch schon eigene Akzente setzen. In der Werkstatt hat er mit Präparator Klaus Nilkens regelmäßig mitgearbeitet und das Geschäft von der Pike auf kennengelernt. Die Homepage pflegt er ebenfalls, auch das jüngst erfolgreiche Crowdfunding wegen des Umsatzeinbruchs in der Corona-Krise war seine Idee. Er betont aber auch, dass es „keine Schlüsselübergabe“ gibt, sondern der Vater in der Leitung bleibt.

Auch Franziska Hauff hat in der Werkstatt ein Praktikum absolviert, freut sich aber auch, dass der Vater an Bord bleibt. „Er ist ein wandelndes Lexikon“, sagt sie. Für den so gelobten Senior-Chef ist die Präparation das „A und O“. Darin liege auch die Besonderheit des größten deutschen Naturkunde-Museums in Privatbesitz. Mehr als 100 Jahre Know-how mit den steinernen Zeugen einer 180 Millionen Jahre zurückliegenden Vergangenheit stecken in dem von Bernhard Hauff senior gegründeten Museum. Der Großvater des heutigen Seniorchefs legte den Grundstein für das Urweltmuseum mit seinen ersten Fossilfunden, die er schon vor der Jahrhundertwende für seine damalige Sammlung präparierte. In den Jahren 1936 bis 37 entstand so aus seiner privaten Sammlung das Museum Hauff in Holzmaden.

Die Weiterentwicklung der Werkzeuge, des Klebstoffs und des Schleifpulvers sorgen in Kombination für die hohe Qualität. Doch auch hier spielen neue Technologien eine Rolle. „Jetzt gibt es die Idee, einen 3-D-Drucker einzusetzen“, sagt Bernhard Hauff. Aber das Freilegen von Fossilien aus dem Schieferstein bleibt hochkomplexes Handwerk, weil jeder Stein anders beschaffen ist und es Erfahrung braucht, wie man ein Fossil am besten herausarbeitet. „Das kann keine Künstliche Intelligenz übernehmen“, sagt Rolf Hauff und vermeidet dabei das Wörtchen „noch“.

„Die Herausforderung eines privaten Museums ist, dass man hohe Qualität bietet und Kontakte zu Unternehmen knüpft. Das ist schwerer geworden als früher“, sagt Bernhard Hauff. Früher sei es normal gewesen, dass ein Unternehmen aus der Region ein Fossil aus Holzmaden als Ausstellungsstück kauft. „Heute können Sie nicht einfach bei Mercedes anrufen“, sagt der Jungunternehmer.

Aber in der Zusammenarbeit mit den hiesigen Firmen liegt auch die Zukunft. So hat der Werkzeughersteller Festool für das Museum einen kegelförmigen Fräser entwickelt, der die Präparation erheblich vereinfacht hat.

Während sich Tochter Franziska um den geologisch-fachlichen Bereich kümmern wird, legt Sohn Bernhard seinen Fokus auf Marketing, Online-Auftritt und Verkauf. „Das ist eine Herausforderung, auf Facebook können Sie nicht jeden Tag schreiben, was es Neues gibt im Museum. Aber das erwarten die Leute“, sagt Bernhard Hauff. Auch ein Youtube-Kanal will bespielt werden. „Den haben wir doch“, sagt Vater Rolf. „Nein, es gibt nur einen Film“, antwortet der Filius. Der lebhafte Austausch über die Zukunft des Museums eint alle drei. Der Seniorchef war 1990 mit dem Tod seines Vaters sehr plötzlich zum alleinigen „Herrscher aller Reußen“ geworden. „Als er plötzlich nicht mehr da war, tauchten viele Fragen auf“, erinnert sich Rolf Hauff.

Insofern haben seine Kinder eine komfortablere Situation. Er selbst wird die neue Freiheit nutzen, um sich verstärkt um ein weiteres „Baby“ der Familie zu kümmern: die kürzlich neu eröffnete Filiale des Urweltmuseums in Bodman am Bodensee. Mögen die Ausstellungsstücke auch seit Millionen Jahren versteinert sein: Die Museumstradition lebt.

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