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Angeklagter rastet vor Gericht aus

Prozess Verhandlung unterbrochen: 51-Jähriger beschimpft und beleidigt Richterin im Nürtinger Amtsgericht.

Nürtingen. Weil er mehrere Fahrzeuge von Familienmitgliedern demoliert hat, stand ein Mann am Montagmorgen vor dem Nürtinger Amtsgericht. Schnell wurde klar, dass der 51-Jährige ein großes Problem mit der Selbstbeherrschung hat.

„Sie sind eine Idiotin“, schrie der Angeklagte immer wieder Richterin Sabine Lieberei an. Der Mann wurde so sauer, dass es ihn nicht mehr auf seinen Platz hielt. Den wiederholten Aufforderungen der Richterin, sich wieder hinzusetzen, kam der Mann nicht nach. Auch die Beschwichtigungsversuche seines Verteidigers schlugen fehl. Schließlich musste Lieberei die Verhandlung unterbrechen und den Angeklagten zusammen mit seinem Verteidiger an die frische Luft schicken. Selbst im Foyer des Amtsgerichts brüllte der Mann noch herum.

Kein sehr kluger Auftritt, hatte ihn seine fehlende Impulskontrolle doch erst in diese Lage gebracht. Der ledige Mann soll im Februar 2017 zum Haus seines Bruders in Leinfelden-Echterdingen gefahren sein und dort völlig durchgedreht haben. Er schlug unter anderem mit einem Motorradständer auf zwei Autos ein. An einem der Wagen entstand ein Totalschaden in Höhe von 15 400 Euro, an dem anderen ein Schaden in Höhe von fast 7000 Euro.

Als sein Neffe ihn aufforderte, aufzuhören, ging der Angeklagte auch auf ihn mit dem Motorradständer los. Der junge Mann konnte sich aber noch ins Haus retten. Der Angeklagte machte sich anschließend noch an zwei Motorrädern zu schaffen, schmiss eines um und beschädigte beim anderen den Tank. Schließlich schlug er alle Fenster im Erdgeschoss ein. Tage später soll er außerdem noch ins Haus seines Bruders eingebrochen sein, indem er die Terrassentür mit einem Sonnenschirmständer einwarf.

In einem dritten Fall beschimpfte und bedrohte der Mann, bei dem eine bipolare Störung diagnostiziert wurde, seinen Mitbewohner in einer Kirchheimer Obdachlosenunterkunft. Der Angeklagte gestand die Taten: „Ja, ich habe auf das Auto eingeschlagen“, sagte er und hob die Faust: „Ich war wie eine Zeitbombe.“ Zu einer Entschuldigung konnte er sich aber nicht durchringen.

Nach der Unterbrechung nahm ein Justizmitarbeiter neben der Anklagebank Platz, um den impulsiven Mann im Auge zu behalten. Doch auch dann bekam der Angeklagte seine Nerven nicht in den Griff: „Muss ich Ihnen erklären, wie Ihr Job funktioniert?“, schrie er die Richterin an.

Richterin Lieberei ging auf die Forderung der Staatsanwaltschaft ein und verurteilte den Mann zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, bei einer Bewährungszeit von drei Jahren. „Ich könnte Sie für die Beleidigungen anzeigen“, sagte Lieberei: „Aber das ist es mir nicht wert.“ Matthäus Klemke

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