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Anlaufstelle altes Reisebüro

Konzeption Für Kinder und Jugendliche hat die Bruderhausdiakonie zusammen mit dem Kreisjugendamt in Owen einige Projekte initiiert, damit die Schüler in ihrer Freizeit nicht in andere Orte abwandern. Von Iris Häfner

Susan Fischer am großen Fenster des „Pop-up-Cafés“, das auch als Info-Wand dient.  Foto: Carsten Riedl
Susan Fischer am großen Fenster des „Pop-up-Cafés“, das auch als Info-Wand dient. Foto: Carsten Riedl

Was tut sich hinter den großen Schaufensterscheiben des einstigen Reisebüros in Owen? Diese Frage stellten sich nicht nur die Owener Stadträte. Manch Spaziergänger schaute neugierig den Aushang an, sah aber selten Leben in den Räumen. „Wegen Corona konnten wir nicht so loslegen, wie wir uns das gedacht haben“, sagte Susan Fischer von der Bruderhausdiakonie. Sie ist quasi die Hausherrin der Jugendräume, die sie von der Ausstattung bis zur Größe in den hellsten Tönen lobt. Mit Güllü Kilgus vom Kreisjugendreferat Esslingen ist sie für „JustiQ - Jugend stärken im Quartier“ verantwortlich. Beide stellten die Projekte „Gemeinsam: Schaffen“, „JustiQ“ und das „Pop-up-Café“ in Owen vor.

Eben jenes „Pop-up-Café“ ist im einstigen Reisebüro zu Hause und soll Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene sein. „Wir geben Nachhilfe, kochen, wollen Treffpunkt sein. Die Impulse geben wir, der Rest soll von den Jugendlichen, also von den Teilnehmern selbst kommen“, erklärte Susan Fischer. „JustiQ“ wurde für Jugendliche mit einem besonderen Unterstützungbedarf am Übergang von der Schule in den Beruf geschaffen mit Schwerpunkt im ländlichen Raum. Finanziert wird das Ganze vom Europäischen Sozialfonds. „Von dort gibt es Gelder für Paris, Berlin und Owen. Es geht um den Lebensraum von jungen Menschen - sei es das städtische Quartier oder das Dorf“, erläuterte Güllü Kilgus. Der Wermutstropfen dabei: Die Förderphase endete im Juni. „Wegen Corona mussten wir anhalten, ehe wir richtig durchstarten konnten - und jetzt geht es nicht weiter, weil es vorbei ist“, bedauert Susan Fischer.

Der Begriff „Pop up“ komme aus der Modebranche. „Einen Abend poppen wir hier auf, am nächsten woanders. Wegen Corona konnten wir aber nie richtig agieren“, so Susan Fischer. Über Kooperationen mit dem Jugendhaus Café Olé in Lenningen konnten erste Kontakte mit den Jugendlichen aus Owen hergestellt werden. Es geht auch um Einzelfallberatung. So hilft Susan Fischer beispielsweise beim Erstellen eines Lebenslaufs oder bietet Bewerbungstrainings an. Wegen Corona war jedoch eine Terminabsprache nötig. Vieles hat sich über die Fenster nach draußen abgespielt. So hing auch die „Suche-Biete-Wand“ im Fenster und Lesenachmittage wurden ins Leben gerufen. „Jeden Dienstag wollten wir kochen, essen und einkaufen gehen, damit die Jugendlichen nicht nach Kirchheim abwandern, sondern hier blieben“, beschreibt Susan Fischer den Ursprungsgedanken. Weil das wegen der Pandemie aber nicht ging, kam der Gedanke auf „was mit Büchern zu machen“. Die Bitte nach Bücherspenden wurde prompt erfüllt, und so füllte sich das offene Regal recht schnell.

Ziele und Ideen bis zum Juni nächsten Jahres können dank der Fördergelder realisiert werden. „Wir wollen in die Nachhaltigkeit kommen und das Ganze möglichst kostenneutral weiterführen“, hofft Susan Fischer. Der Schwerpunkt bei „Pop up“ und „Gemeinsam: Schaffen“ liegt beim generationenübergreifenden Lernen sowie gemeinsamem Unterstützen in der Freizeit - und ist für sämtliche Altersgruppen bis zu den Senioren gedacht. Alle können dann beispielsweise an einem Comic-Workshop teilnehmen. Es gibt aber auch Lerntandems, bei denen Hausaufgaben gemacht werden können. „Das ist genau das, was wir wollen. Ebenso soll es zum Klettergarten in Kooperation mit Café Olé gehen“, sagte Susan Fischer. Außerdem soll es eine Winteraktion mit Adventsgeschichten am Fenster oder mit dem Nikolaus geben und in den Pfingstferien ein Ferienprogramm. „Wir ergänzen das Café Olé, wir sind keine Konkurrenz. Und wir wollen in die Nachhaltigkeit kommen“, erklärte Susan Fischer. Sie will mit Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, das Bewegungszentrum Pfulb liegt ja nahezu um die Ecke. Wichtig ist ihr auch, für Toleranz zu werben und beispielsweise gegen Homophobie zu arbeiten. „Unsere Fenster sind so groß, da kann man immer reingucken“, hofft die Pädagogin auf regen Zuspruch.

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