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Atomstrom für den E-Pkw?

Zur Seite „Auto und Verkehr“ über SUVs und zum Artikel „Freie Wähler - Ja zum Auto und zur Energiewende“ vom 21. Dezember

Da wird auf einer ganzen Seite Werbung für SUVs gemacht und einige Seiten weiter Wahlwerbung der Freien Wähler. Wie passt das zusammen? VW brüstet sich damit, dass im Jahr 2019 alle 35 Sekunden ein Tiguan vom Band lief. Das waren 910 926 Fahrzeuge. Bei 50 000 Kilometer pro Jahr blasen diese Autos 6,8 Millionen Tonnen CO2 in die Luft.

Die Zahl der Pkw insgesamt steigt: 2015 gab es in Deutschland 44 Millionen und 2020 48 Millionen - plus acht Prozent - Autos. Davon waren 2015 0,04 und 2020 0,3 Prozent reine Elektro-Pkw, also marginal. Für die Autokonzerne ist der Elektro-Pkw nur eine Ergänzung, um die EU-Grenzwerte einhalten zu können. Besonders grotesk ist es dann, wenn Tesla und Fiat-Chrysler einen Emissionspool in der EU bilden dürfen, der es Fiat gestattet, weiter zu 100 Prozent Verbrenner mit hohen Emissionswerten herzustellen.

Jetzt werden die Freien Wähler sicherlich einwenden, dass sie den Elektroantrieb anstreben. Wollte man die 47 Millionen Autos in Deutschland elektrisch betreiben, bräuchte das circa 105 Terrawatt Strom im Jahr, das ist fast so viel wie alle privaten Haushalte in Deutschland zusammen verbrauchen. Die zusätzliche Strommenge müsste bereitgestellt werden und gleichzeitig sollen in den nächsten Jahren die Kern- und Kohlekraftwerke nach und nach abgeschaltet werden. Der Ausbau der regenerativen Energie wird beim jetzigen Ausbautempo diese Lücke nicht schließen. Es ist absehbar, dass Deutschland ab 2022 Strom importieren wird. Also mit Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen in die Energiewende? Alle, die wirklich eine ­Energiewende wollen, müssten konsequenterweise dafür eintreten, dass weniger Energie verbraucht wird.

Eine realistische umweltverträgliche Mobilität kann ich nur im Ausbau Bus und Bahn und in einer Städteplanung der kurzen Wege erkennen, sprich in einer neuen Mobilitätskultur. Zu dieser Einschätzung kam die Baden-Württemberg-Stiftung übrigens schon 2018.

Heinrich Brinker, Stadtrat Die ­Linke, Kirchheim

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