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Auf dem Areal der alten Psychiatrie entsteht Wohnraum

Beschluss Den Protesten einer Bürgerinitiative zum Trotz wird das Gebiet „Am Wasen“ in Nürtingen neu bebaut.

Erhalten bleiben das alte Krankenhaus (links) und die Siechenkapelle. Sie sind Teil des Bebauungsplans.Foto: Jürgen Holzwarth
Erhalten bleiben das alte Krankenhaus (links) und die Siechenkapelle. Sie sind Teil des Bebauungsplans.Foto: Jürgen Holzwarth

Nürtingen. Wohnraum in allen Preissegmenten ist in Nürtingen knapp. Das war letztlich für den Gemeinderat auch das Hauptargument, dem Bebauungsplan „Am Wasen“ zuzustimmen.

Über 100 Bürger verfolgten die Beratung im Sitzungssaal oder via Live-Übertragung in der Glashalle. Hintergrund dafür war das zu erwartende große Bürgerinteresse. Die Bürgerinitiative Nürtingen hatte sich vergangene Woche bei einer Veranstaltung in der Nürtinger Kreuzkirche gegen das Wohnprojekt „Am Wasen“ ausgesprochen und den „Kahlschlag“ auf dem ehemaligen Psychiatriegelände kritisiert. Sie forderte den Gemeinderat auf, eine Denkpause einzulegen und die alten Klinikgebäude interimsweise als Obdachlosen-Wohnungen zu reaktivieren.

Oberbürgermeister Johannes Fridrich rief die Chronologie des Bebauungsplanverfahrens in Erinnerung, um aufzuzeigen, dass von Anfang an Transparenz geherrscht habe und nichts unter dem Tisch verlaufen sei, wie das die Bürgerinitiative behauptet.

Bereits im September 2013 hatte die Wasen-Bebauung öffentlich im Bauausschuss große Zustimmung erhalten. Beteiligt gewesen war auch der Gestaltungsbeirat. 2016 lag die überarbeitete Planung auf dem Ratstisch, der Beschluss fiel einstimmig. Die öffentliche Auslegung im Sommer 2019 wurde von den Bürgern nicht beachtet: Es gab keine einzige Einwendung. „Es war ein Prozess, der jahrelang in den Gremien mit großen Mehrheiten diskutiert und weiterentwickelt wurde und über den auch in der Presse ausführlich diskutiert wurde“, betonte Fridrich.

Er zeigte auf, warum die Stadt das Gelände nicht kaufen kann: Der Landkreis hat das ehemalige Psychiatriegelände 2016 an die BPD Immobilienentwicklung verkauft. Der Erlös wird für die Refinanzierung des Klinikneubaus auf dem Nürtinger Säer verwendet, in den der Landkreis mehr als 100 Millionen Euro gesteckt hat.

Im Hinblick auf die Gestaltung der neuen Gebäude versprach Fridrich, der bereits nachverhandelt und unter anderem die Pflanzung von Bäumen erreicht hat, mit dem Investor in engem Kontakt zu bleiben. Es sei bereits über die Freiraumgestaltung und die Fassaden gesprochen worden. In der Projektgruppe sind Vertreter des Investors, städtische Mitarbeiter und zwei Gestaltungsbeiräte.

Erhalten könne man die alten Psychiatriegebäude nicht, so Fridrich: „Schon 2009 hat man den Erhalt energetisch, ökonomisch und wirtschaftlich als nicht sinnvoll angesehen.“ Die letzten zwei Jahre ohne Heizung und Strom, und die Nutzung als Übungsgelände der Polizei hätten Spuren hinterlassen. Wichtigstes Argument für das Projekt aus seiner Sicht ist der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum: „Es wird für 23 Wohnungen eine 20-jährige Mietpreisbindung von acht beziehungsweise neun Euro pro Quadratmeter geben.“

Claudia Himmer von der Fraktion NLG/Grüne-Basis bedauerte, dass die Wasen-Planung erst in den letzten Wochen in der Bürgerschaft kontrovers diskutiert worden sei. „Die vorgetragenen Alternativen für die Nutzung des Geländes hätten früher kommen müssen“. Achim Maier (Freie Wähler) stellte klar, dass seine Fraktion froh sei, dass der große hässliche Gebäuderiegel verschwinde. Er appellierte auch an die Kritiker der Bebauung, andere Meinungen zu respektieren, das gehöre zur Demokratie. Anneliese Lieb

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