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Aufträge brechen deutlich ein

Wirtschaft Nach einem Rekordjahr stellt sich die Firma Heller auf einen Rückgang der Aufträge um etwa 25 bis 30 Prozent ein.

Nürtingen. Vergangenes Jahr hatte Heller in Nürtingen noch einen Rekord-Auftragseingang von etwa 695 Millionen Euro verbuchen können. Davon zehre man noch bis 2020, so Winkler am Dienstag am Stand auf der EMO, der Messe für Metallverarbeitung in Hannover. Das gelte zumindest für die Fertigung und Montage, wo man teils auch samstags arbeite. In der Konstruktion indes spüre man das Ausbleiben neuer Aufträge: „Dort bauen wir momentan Zeitguthaben ab.“

Wie lange und wie tief der Rückgang sein werde, wisse im Moment niemand, ergänzt Geschäftsführer Manfred Maier. Ein Teil der Flaute sei dem üblichen Konjunkturzyklus im Maschinenbau zuzuordnen. „Dieses Mal kommen die Fragezeichen um die Zukunft des Verbrennungsmotors und um den künftigen Antriebsstrang hinzu. Diese Unsicherheit bewirkt ein Abwarten bei den Investitionen“, so Maier. Die EMO sei ein guter Gradmesser, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es wirtschaftlich weitergeht.

Stark ins Gewicht fielen auch die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China, berichtet Klaus Winkler: „Diese Konsequenzen merken wir, es werden weniger Investitionsentscheidungen getroffen.“

Vor allem das automobile Projektgeschäft sei von dem Auftragsrückgang betroffen. Bei Heller ist man seit geraumer Zeit bestrebt, die Abhängigkeit vom Automobil zu reduzieren, so Manfred Maier: „Das ist uns in den letzten Jahren gut gelungen, auch international.“ Zudem erziele man Erfolge im Servicegeschäft, hier verzeichne man ein Auftragsplus. „Diese zwei Themen werden wir ausbauen“, so Maier. Außerdem werde man seine Aktivitäten in Asien und Nordamerika vorantreiben, „sowohl vertrieblich als auch bei der Wertschöpfung“. Das heiße, dass man dort auch mehr Produkte montieren werde: „Wir werden die Basis unserer fünf Werke auf der Welt nutzen, um flexibler reagieren zu können.“ Zum Beispiel wisse man nicht, wie sich die Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China weiterentwickelten. Dann müsse man die Fähigkeit haben, dem entgehen zu können.

Ein Mehr an Azubis

Was die Beschäftigung angeht, so sei das eindeutige Ziel, diese stabil zu halten, sagt Klaus Winkler, eventuell mit den Möglichkeiten flexibler Arbeitszeiten: „Wenn es wieder hochgeht mit der Konjunktur, brauchen wir die qualifizierten Mitarbeiter.“ Auch werde Heller seine Ausbildungsleistung erhöhen und im kommenden Jahr 24 statt bisher 19 neue Azubis einstellen: „Wir investieren auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in den Nachwuchs, um uns zukunftssicher aufzustellen.“ Im Werk in England stocke man ebenfalls die Zahl der Azubis auf.

Auf der EMO ist Heller im 125. Jahr seiner Firmengeschichte mit einem sehr großen Messestand vertreten. Auf insgesamt 680 Quadratmetern doppelstöckig präsentiert sich das Unternehmen und bietet viel Raum für Gespräche. Drei Maschinen wurden aufgebaut. Ein weiteres Thema am Messestand ist der neue Schnittstellenstandard „umati“. Heller ist einer der Mit-Initiatoren dieser Entwicklung. Maschinen unterschiedlicher Hersteller können mit diesem einheitlichen Standard Daten austauschen und miteinander kommunizieren, erklärt Bernd Zapf, der bei Heller den Bereich Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsfelder leitet: „Es ist wie eine Straßenverkehrsordnung für Daten.“ Auf der Messe sind insgesamt 102 Maschinen miteinander vernetzt, auch die auf dem Heller-Stand gehören dazu. „umati“ wird als wichtige Voraussetzung gesehen für die Digitalisierung der Fertigung.Henrik Sauer

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