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Auszeichnung Hallenbad-Quartier

Hugo-Häring-Preis für Kirchheimer Hallenbad-Quartier

pm. Nach der Schließung des Kirchheimer Hallenbades wurde im Jahr 2012 ein Architektenwettbewerb für eine Wohnbebauung auf dem Hallenbad-Gelände mit den Zielen flächensparend, ökologisch, kostengünstig und familiengerecht ausgeschrieben.

Sieger des Wettbewerbs wurde das Büro UTA Architekten und Stadtplaner mit Urban Architecture aus Stuttgart mit einem innovativen und überzeugenden Entwurf. Den Investorenwettbewerb konnte das Dettinger Bauträgerunternehmen Wohnbau Birkenmaier GmbH & Co. KG für sich entscheiden.

Auf dem Grundstück sind in den Jahren 2017 bis 2019 zwei Mehrfamilienhäuser mit 28 barrierefreien Eigentumswohnungen, 17 Stadthäuser, Physiotherapiepraxis, Friseurladen und Kindertagesstätte entstanden. Die Quartiersgasse verbindet alle Gebäude und bietet zusammen mit dem Gemeinschaftsraum die Möglichkeit für Treffen, zum Spielen und nach Corona auch zum Feiern.

Die Wohnanlage ist im Oktober 2020 mit der Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg prämiert worden.

Die Architektur

Entlang der Friedrichstraße ist ein ausdruckstarker viergeschossiger ­Baukörper, das Portalhaus mit lebendiger ­Fassade, eingerücktem Erdgeschoss mit ­Glasfassade und Dacheinschnitten entstanden. Die drei großen alten Silberlinden entlang der Friedrichstraße wurden während der Bauphase geschützt und konnten erhalten werden.

Das Treppenhaus ist ausgesprochen großzügig konzipiert und bietet viel Aufenthaltsqualität und reizvolle Durchblicke zwischen den Geschossen.

Durch das mit Holz verkleidete großzügige Portal betritt man die Wohnanlage und gelangt in die Quartiersgasse, an der sich die zwei- und dreigeschossigen Stadthäuser mit ihrer lebendigen Holzfassade befinden. Die Stadthäuser stehen alle versetzt, was ein reizvolles Licht- und Schattenspiel ergibt. Alle Häuser haben eine ­Quartiersterrasse und eine private Gartenterrasse.

Der helle Gussasphalt der Gasse betont den mediterranen Charakter der Wohnanlage.

Den Abschluss der Wohngasse bildet das viergeschossige Haus am Park, dessen Wohnungen über einen Laubengang mit herrlichem Ausblick in die Quartiersgasse erschlossen werden. Hier befinden sich der Gemeinschaftsraum mit großer Terrasse, der Spielplatz und eine gemeinsame Boule-Fläche. Im Frühling und Sommer erscheint die Anlage aufgrund der warmen Farben und der edlen Hölzer wie eine Siedlung mit Ferienhäusern.

Nachhaltiges und ­klimagerechtes Bauen

Die Bauweise ist auf vielen Ebenen dem Gedanken des nachhaltigen, klimagerechten Bauens verpflichtet. Die Gebäude sind nach dem KfW-Effizienzhaus-55-Standard errichtet und haben einen Jahresprimärenergiebedarf von höchstens 55 Prozent im Vergleich zu einem Neubau nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung.

Die Gesamtanlage wird über eine Holzpelletheizung mit Wärme versorgt. Die extensive Dachbegrünung speichert Regenwasser, verbessert das Umgebungsklima durch Kühlung und Luftbefeuchtung, schützt die Gebäude vor Kälte und Hitze und ist Lebensraum für Tiere und Insekten. Das Regenwasser versickert in großen Teilen auf dem Grundstück über Versickerungsmulden in den Gärten.

Die Gebäude bieten einen guten Beitrag zur CO2-Speicherung und CO2-Reduktion beim Bauen. Alle Gebäude sind in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. Das Tragwerk in Skelett-Bauweise ist aus Recycling-Beton. Die Rohstoffe stammen von einem ortsansässigen Abbruch- und Recyc­ling-Unternehmen. Der Abbruch des alten Hallenbads wurde somit in der Konstruktion des Neubaus wiederverwendet.

Die Fassadenelemente sind als Holzständerwände inklusive Fenster im Werk vorgefertigt worden. Holz und Mineralwolle sind die Hauptbestandteile der Fassaden. Neben der Konstruktion an sich sind Holzfenster und Holztüren eingesetzt. Ein mineralischer Putz sowie biozid- und lösungsmittelfreie Silikatfarben bei den sichtbaren Holzfassaden gewährleisten ein nachhaltiges, diffusionsoffenes System.

Die Firma Birkenmaier GmbH & Co. KG rundet die gute Nachhaltigkeitsbilanz dadurch ab, dass überwiegend ortsansässige Firmen zur Bauausführung beauftragt und somit die Transportkosten und der Verbrauch von Ressourcen reduziert wurden.

Kleine Grundstücke, hohe Wohnqualität

Die gemeinschaftlichen Freiflächen sind größer als die privaten Terrassen und Gärten und bieten Raum für Kommunikation. Die einladende Holzfassade, die Lebendigkeit der Stadthäuser, die warmen Putzfarben und die dezente Beleuchtung sorgen für eine hohe Aufenthalts­qualität im halböffentlichen Raum. Die Wohngasse als zentrales Raumelement der Siedlung ermöglicht ein In-Kontakt-Treten mit anderen Bewohnern. Die erhöhten Stadthausterrassen zur Quartiersgasse schaffen aber auch eine zu respektierende Grenze. Oft sind die Wohngasse und der Spielplatz mit Kindern und ihren Eltern belebt.

Ein großer erdgeschossiger Fahrradraum mit bequemem Zugang sorgt dafür, dass es attraktiver ist, mit dem Rad in die Stadt, zur Arbeit oder einfach ins Grüne zu fahren, als das Auto aus der Tiefgarage zu holen. Eine hohe bauliche Dichte sorgt für einen flächensparenden Umgang mit dem Baugrund.

Vielfalt an Wohnformen

Von der kleinen Etagenwohnung über großzügige Familienwohnungen mit Dachterrassen hin zu verschiedenen Reihenhaus-Typen wird eine ­Vielfalt an ­Wohnungsgrößen und Grundriss-Typologien angeboten. Alle Wohnungen verfügen über Terrasse oder Balkon und die Stadthäuser haben eine private Terrasse und einen kleinen Garten. Die Stadthäuser im Norden sind nicht unterkellert, um auch günstiges Wohnen im Eigenheim zu ermöglichen. In die barrierefreien Wohnungen sind junge und ältere 1- und 2-Personen-Haushalte eingezogen. In den Stadthäusern leben viele junge Familien mit Kindern, die die Wohnanlage und das Wohngebiet Paradiesle beleben. Alle Wohnungen und Stadthäuser sind verkauft. Die für 2020 geplante ­Einweihungsfeier musste leider coronabedingt abgesagt werden. Sie soll nächstes Jahr nachgeholt werden.

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