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Autobahnlärm: Keine Linderung in Sicht

Verkehr Gemäß dem Grünen-Abgeordneten Matthias Gastel zündet die Bundesregierung „Nebelkerzen“.

Kirchheim/Holzmaden. Die A 8 ist eine erhebliche Lärmquelle. Etliche Bürger in Wendlingen und Kirchheim, vor allem aber auch in Köngen können davon ein Lied singen. Deswegen haben sich die Bürgermeister von Wendlingen und Köngen, Steffen Weigel und Otto Ruppaner, vor Jahren bereits an Staatssekretär Steffen Bilger gewandt. Ihre Bitte: ein Tempolimit auf dem Autobahnabschnitt zwischen Köngen und Kirchheim. Denn in Wendlingen hatte die Lärmaktionsplanung ergeben, dass eine Tempobegrenzung auf 100 Stundenkilometer tagsüber und 80 Stundenkilometer nachts die Lärmwerte unter die Auslöseschwelle von 60 Dezibel tags­über und 55 Dezibel nachts drücken könnte - eine erhebliche Erleichterung für die betroffenen Anwohner. Indes, das Regierungspräsidium zeigte sich von diesem Ansinnen nicht begeistert und lehnte ein Tempolimit mit der Begründung ab, eine Verkehrsgefährdung auf diesem Autobahnabschnitt liege nicht vor.

In Köngen versuchte man, die Bürger, die sich eigentlich eine Kombination aus Lärmschutzwall und -wand wünschten, mit einer Belagssanierung zu trösten. Die Fahrbahn in Richtung Karlsruhe ist mittlerweile saniert, die Fahrtrichtung München soll offenbar ab Anfang 2022 mit einem neuen Splittmastixbelag ausgestattet werden. Wann genau die Bauarbeiten losgehen sollen, steht noch nicht fest. Gegen ein Tempolimit hätte auch Bürgermeister Otto Ruppaner nichts einzuwenden.

Auch der BUND ist aktiv

Im Mai dieses Jahres meldete sich schließlich die Arbeitsgruppe Lärm des BUND Kirchheim zu Wort. Auch dort findet man, gegen den Geräuschpegel der Autobahn müsse dringend etwas unternommen werden. Die Umweltschutzorganisation will daher in der Lärmaktionsplanung der Teckstadt einen Fokus auf die Reduzierung des Autobahnlärms gelegt sehen.

Der Frage eines Tempolimits auf der A 8 zwischen Köngen und Holzmaden nahm sich vor einiger Zeit auch der grüne Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel an und schickte eine entsprechende Anfrage an Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Der wies zunächst darauf hin, dass das Ministerium die Auslösewerte für eine Lärmsanierung erst im vergangenen Jahr um drei Dezibel abgesenkt hat, „sodass Anwohner nun bereits bei geringeren Pegeln Lärmschutzmaßnahmen erhalten können“. Neu sei auch, dass die akustischen Eigenschaften von Straßendeckschichten auch für Geschwindigkeiten in Innerortslagen angesetzt werden könnten. Übersetzt soll dies offenbar heißen, dass Flüsterasphalt bei entsprechender Voraussetzung jetzt auch auf innerörtlichen Straßen zum Einsatz kommen könnte.

„Die Prüfung der formalen Voraussetzungen erfolgt nach Antragstellung von betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern oder im Zuge von Forderungen von Gemeinden im Rahmen der Lärmaktionsplanung“, schreibt der Staatssekretär. Welche konkreten aktiven oder passiven Lärmschutzmaßnahmen im Rahmen der Lärmsanierung umgesetzt werden könnten, hänge von den individuellen Gegebenheiten des Einzelfalls ab. Hierzu bedürfe es einer umfangreichen Planung auf Grundlage schalltechnischer Untersuchungen.

Die Antwort lässt den Leser ratlos zurück. „Statt die Frage zu beantworten, zündet die Bundesregierung nur Nebelkerzen. Die Änderung von Richtlinien und die Absenkung der Auslösegrenzwerte für die Lärmsanierung haben mit der klar formulierten Frage nicht viel zu tun und bringen absehbar keine Linderung der Belastungen“, findet denn auch der Abgeordnete Matthias Gastel. Die Frage nach einer möglichen Geschwindigkeitsbeschränkung beantworte die Bundesregierung nicht. Unterstützung für lärmgeplagte Menschen sehe anders aus. „Ich wünsche mir mehr Offenheit, zumindest bei besonderen Unfalllagen oder Lärmproblemen flexibler zu reagieren, statt nur Allgemeinsätze zum Besten zu geben und zu vertrösten. Die Bundesregierung hätte auch gleich sagen können, dass sie nicht helfen will, den Lärm zu verringern“, sagt der Nürtinger Bundestagsabgeordnete verärgert.Sylvia Gierlichs

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