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Bäume erster und zweiter Klasse?

In der Weihnachtszeit zu Fuß durch die Kirchheimer Innenstadt zu streifen, ist eine Freude. Nicht nur der große Weihnachtsbaum in der Marktstraße, nein, auch die kleinen Inseln mit geschmücktem Baum und Tiersilhouetten aus Holz auf Holzschnipseln sind stilvoll und eine wahre Augenweide. Ein Baum schöner als der andere und mein großes Lob dafür. Auch der Baum in Jesingen ist ein Prachtexemplar.

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Jedoch gibt es auch Stellen, an denen die „städtische Ästhetik“ durch schlichtes Nicht-Vorhandensein beeindruckt.

Gönnen Sie sich mal den Spaß, den Weihnachtsbaum vor dem Ötlinger Rathaus anzuschauen. Ich habe meinen Augen nicht getraut und bin wirklich mehrmals und an verschiedenen Tagen um den gesamten Kreuzungsbereich gegangen, um eine Perspektive zu finden, in der der Baum auch nur annähernd harmonisch aussieht. Nicht nur, dass er schief dasteht und der Stamm in sich gebogen ist wie ein verdrehtes Fragezeichen, nein, er ist auch noch absolut unsymmetrisch gewachsen. Sofern Äste vorhanden sind, sind diese durchaus dicht - nur halt auf der einen Seite extrem lang und auf der entgegengesetzten kurz, an anderen Stellen fehlt das ausgleichende Pendant völlig.

Die gesamte Erscheinung wird dann abends noch mit einer scheinbar lieblos übergeworfenen Beleuchtung geziert - wohl wahrscheinlich auch dem eigenartigen Wuchs geschuldet - welche wahrlich fernab jeglicher stimmungsvollen Wirkung ist.

Auswärtige Freunde haben mich auch schon auf dieses winterliche Schmuckstück angesprochen und gefragt, was die Ötlinger denn angestellt hätten, um von der Stadt Kirchheim solch einen - Zitat - „Krumme-Dinger-Baum“ vorgesetzt zu bekommen. Ich konnte darauf nicht antworten, denn mir fiel wirklich nichts Dergleichen ein.

Margit Hinderer, Kirchheim