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Batterie wiegt so viel wie VW Golf

Zum Artikel „Nicht mit 1,5 Tonnen Brötchen holen“ vom 22. Februar

Mit rund 1,5 Tonnen fährt eigentlich jeder zum Bäcker, der einen Pkw besitzt, welcher der heutigen Kleinstwagenklasse entwachsen ist. Es ging eher um Automobile wie Minister Hermanns Dienst-Audi mit etwa 2,5 Tonnen Gewicht und einer Batterie, die etwa so schwer ist wie der erste VW Golf und mit dem man im Winter tatsächlich gut 150 Kilometer weit fahren kann. Das reicht für den üblichen Weg zum Bäcker, macht aber insgesamt offenbar wenig Sinn. Vor diesem Hintergrund war das Plädoyer von Professor Reindl für batterieelektrische Autos tatsächlich überraschend. Aber er bezog sich dabei anscheinend auf Batterien, die da noch kommen sollen. Irgendwann. Das macht keinen Mut für die heutige Technik. Da warten wir doch lieber mit dem Autokauf.

Wirklich erschreckend hingegen ist, dass sich die ganze Diskussion immer nur um die beruflich notwendige oder private Mobilität von uns Bürgern dreht. Praktisch der gesamte Warenverkehr wird in Deutschland über Lkw abgewickelt. Die werden künftig sicher nicht an Oberleitungen auf den Autobahnen umherfahren. Versenkte Fördermillionen. Oberleitung ist etwas für die Bahn, fehlt aber auf rund 40 Prozent des Netzes. Wie sagte doch Minister Hermann so nonchalant? Die Bahn ist bei der Güterbeförderung im 19. Jahrhundert stehen geblieben. (Naja, ist ja bloß ein Staatsbetrieb, der seine Verträge nicht einhält.) Das zu ändern dauert lange und kostet Geld. Ach so. Den fälligen Halbsatz „also schieben wir den schwarzen Peter unseren Bürgern zu“ hat er leider verschluckt. Ja, wir müssen unser Mobilitätsverhalten ändern, es wird teuer, unser Wohlstand leidet und unsere Freiheit wird eingeschränkt. Da wir Steuerzahler die komplette Rechnung für jahrzehntelange Versäumnisse zahlen müssen, dürfen wir erwarten, dass wirklich alle Verkehrsbereiche intensiv beteiligt werden! Aber solange wir Kohle per Schiff aus Kolumbien holen, um sie hier zu verstromen, und Äpfel aus Chile offenbar keinen CO2-Fußabdruck zugerechnet bekommen, fühle ich mich veräppelt.

Bodo Lorenz, Schlierbach

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