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Bei Brabant Alucast gehen die Lichter aus

Insolvenz Der Betrieb der ehemaligen Firma Ritter Aluminium wird eingestellt. 79 Beschäftigte sind betroffen.

Wendlingen. „Schlimmer hätte es nicht kommen können“, kommentiert Thomas Maier von der IG Metall Esslingen das bevorstehende Aus der Firma Brabant Alucast, der ehemaligen Ritter Aluminium in Wendlingen. Nachdem das Unternehmen im Juli zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet hatte, wird nun der Geschäftsbetrieb eingestellt. 79 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

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Die im vorläufigen Insolvenzverfahren eingeleitete Suche nach einem Investor habe kein Ergebnis gebracht, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Da der Geschäftsbetrieb hohe monatliche Verluste einfahre, müsse dieser eingestellt werden. Bereits vor dem Insolvenzantrag hätten wesentliche Kunden ihre Produktion zu anderen Lieferanten verlagert. Das verbliebene Umsatzvolumen reiche nicht aus, um den Betrieb längerfristig fortzuführen. Wie es weiter heißt, werden 37 Mitarbeiter bereits in den nächsten Tagen freigestellt. Mit den restlichen Mitarbeitern würden die noch vorhandenen Aufträge abgearbeitet.

War es bei der Insolvenz 2014 noch gelungen, mit einem Sanierungsplan das Unternehmen weiterzuführen - allerdings war die Belegschaft damals schon von 120 auf 70 Mitarbeiter reduziert worden -, so ist diesmal das endgültige Aus besiegelt. „Der Betrieb wurde an die Wand gefahren“, ist Thomas Maier sauer und enttäuscht. Das Unternehmen gehörte zuletzt zur britischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft Endless, die es im Februar 2016 von der niederländischen Brabant-Gruppe übernommen hatte. Maier wirft beiden Eigentümern vor, das Wendlinger Werk vernachlässigt zu haben. „Ich habe selten einen Betrieb gesehen, der so heruntergewirtschaftet wurde.“ Es sei nichts mehr investiert worden. Der Ruf des Unternehmens sei nachhaltig geschädigt worden, weshalb sich die Kunden zurückgezogen hätten.

250 Leute arbeiteten zu guten Zeiten in dem Wendlinger Betrieb, erinnern sich Mitarbeiter, die schon lange dabei sind. Sie haben Höhen, aber immer wieder auch Tiefen erlebt. So im Jahr 2002, als die Firma schon einmal Insolvenz anmelden musste.

Seinen Ursprung hatte das Unternehmen vor über 100 Jahren. Firmengründer Heinrich Ritter hatte sich 1911 als junger Mann mit einem Handelsgeschäft für Haushaltsgeräte in Esslingen selbstständig gemacht. Haushaltsgeräte aus Aluminium wurden zu seinem Markenzeichen. Anfang der 1950er-Jahre nahm er auch die Produktion von Fenstern und Pressholzartikeln in Köngen auf. Die Gießerei für Aluminium-Druckgussteile in Wendlingen wurde Anfang der 1970er-Jahre errichtet. Als 1981 die Produktion von Haushaltsgeräten in Esslingen eingestellt wurde, konzentrierte sich das Unternehmen auf die Standorte Köngen und Wendlingen. Der Metallbau wurde 1997 an ein Münchner Unternehmen verkauft. Die Gießerei war bekannt für ihr Vacural-Druckgussverfahren, das den Aluminiumteilen besondere Eigenschaften verleiht. Hauptabnehmer war die Automobilindustrie.Henrik Sauer