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Bei Liddi im „Café Roßbach“ ist immer was los

Geburtstag Lydia Roßbach aus Kirchheim wird am 2. April 100 Jahre alt. Ihren großen Tag feiert die glückliche Jubilarin mit ihren beiden Töchtern. Von Sabine Ackermann

Hand aufs Herz - wer an eine Hundertjährige denkt, den überkommt sofort eine gewisse Ehrfurcht. 100 Jahre alt zu werden ist auch ein großes Geschenk. Ganz besonders, wenn man wie Liddi Roßbach vor etwa zwei Jahren eine doppelseitige Lungenentzündung überstanden hat und geistig rege ist. Bis auf kleinere Zipperlein erfreut sich die frisch gegen Corona geimpfte Jubilarin wieder guter Gesundheit.

Steigen manche wie in einer schwedischen Komödie aus dem Fenster, um der Ödnis des Altersheims zu entfliehen, fühlen sich andere in ihrem Zuhause wohl. So wie die Seniorin, die seit rund 75 Jahren in Ötlingen lebt, im 8. Stock, mit Aufzug und Blick auf die Schwäbische Alb. Und nicht nur dort kennt man sie dank ihrer fröhlichen und offenen Art, wie ihre Tochter Uschi Roßbach verrät. „Meine Mutter ist und war nie eine Bähmull, hat für jeden, egal ob jung, ob alt, ein freundliches Lächeln übrig und pflegt immer noch konstant ihre vielen Kontakte.“

Aufgewachsen ist Liddi, die eigentlich Lydia heißt, mit ihrem zehn Jahre älteren Bruder Willi in Friedersreuth im Landkreis Asch, der heute ein Teil der Tschechischen Republik ist. Dort heiratete sie am 5. September 1942 mit 21 Jahren ihren Mann Franz Roßbach, der im Oktober 1997 im Alter von 78 Jahren verstarb. Zwei „Sommer-Töchter“ gingen aus dieser Ehe hervor - Inge, die im Juni 1945 das Licht der Welt erblickte, und Uschi, die im Juli 1947 folgte. Beide leben in München. Nach Kriegsende wurde die kleine Familie Roßbach, Liddi war 25 und ihre erste Tochter acht Monate alt, mit Bruder Willi ausgewiesen. Sie kamen in die schwäbische Teckstadt zu einer netten Familie. Dort arbeitete sie als Näherin, während die Oma auf die Kinder aufpasste. Ihre Kontaktfreudigkeit beschränkt sich bis heute fast ausschließlich auf den privaten Bereich. Anders ausgedrückt: Liddi war keine Vereinsmeierin. Mit einer Ausnahme: ihre Präsenz im Kegelclub. Und weil die umtriebige und taffe Jubilarin Kaffeekränzchen im Seniorentreff nichts abgewinnen kann, hat sie es lieber, wenn die Menschen zu ihr ins „Café Roßbach“ kommen. Ehemalige Hobbys waren Skifahren und das Sticken von großen Gobelins. Nach dem Tod ihres Mannes hat Liddi Roßbach immer wieder längere Zeit im Ferienhaus ihrer Tochter Uschi in Spanien verbracht und ist, wie diese verrät: „Mit 97 Jahren zum letzten Mal zu uns geflogen.“ Heute erfreut sie sich an Tierfilmen und Serien wie „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ und besonders an den emotionalen Geschichten rund um den „Bergdoktor“.

Strukturiert gestaltet die Hochbetagte ihren Tag. Sie geht früh zu Bett und steht um 7.30 Uhr auf, macht sich Frühstück und häufig gucken da schon ihre Nachbarn bei ihr rein. Überhaupt - viele der Hausbewohner sind für die immer gutgelaunte Seniorin da, schauen nach dem Rechten, wenn mal zu lange die Rollläden unten sind. Gepflegtes Äußeres ist wichtig Solange sie jeden Tag aufstehen kann, ist sie wie ihr Hausarzt sehr zufrieden.

Noch immer achtet die zierliche Liddi Roßbach auf ihr Äußeres, pflegt ihr lockiges weißes Haar und legt auch mal etwas Farbe im Gesicht auf. „Meine Mutter sieht noch schön aus, wenn sie den Müll runterträgt“, berichtet die 74-Jährige Uschi Roßbach. Am Karfreitag wird mit den Töchtern und dem Schwiegersohn Dieter gefeiert. Mit Rinderfilet, Bratkartoffeln, Prinzessbohnen, einem Sößle, Weinchen und Bierchen. Auch die Kinder werden beschenkt, denn die Mama bleibt zwei Wochen zu Besuch.

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