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Bereit für den zweiten Traumberuf

Wahl In Holzmaden gibt es mit dem Wendlinger Polizeichef Florian Schepp einen zweiten Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Politisch hat er im Kirchheimer Gemeinderat Erfahrungen gesammelt. Von Thomas Zapp

Nimmt schon mal den möglichen Arbeitsort in Augenschein: Florian Schepp vor dem Holzmadener Rathaus.Foto: Carsten Riedl
Nimmt schon mal den möglichen Arbeitsort in Augenschein: Florian Schepp vor dem Holzmadener Rathaus.Foto: Carsten Riedl

Das Rennen um den vakanten Bürgermeister-Posten in Holzmaden hat jetzt richtig begonnen. Denn mit dem Kirchheimer Florian Schepp stellt sich nun der zweite Kandidat zur Wahl am 14. März. Der Polizeihauptkommissar leitet derzeit die Polizei Wendlingen und hat bis jetzt seinen Traumjob gelebt. Er hat nicht nur anspruchsvolle Bereiche wie die Rauschgift-Ermittlungsgruppe in Esslingen geleitet, sondern auch drei Monate Polizisten in Afghanistan geschult. „Da gab es auch mal eine kritische Situation, so etwas würde ich heute nicht mehr machen. Aber es war eine sehr beeindruckende Zeit mit spannenden Begegnungen“, erzählt er.

Das Berufsziel Polizist konkurrierte bei Florian Schepp allerdings schon seit seiner Schulzeit mit einem zweiten Traumjob: „Bei mir war es nicht Baggerfahrer, sondern Bürgermeister“, sagt er lachend. Vielleicht liegt es ihm in den Genen, denn sein Großvater mütterlicherseits war der Owener Schultes Otto Heinz, Urgroßvater Karl Blum war Gemeindechef in Murrhardt. „Bürgermeister und Polizisten haben einiges gemeinsam: Sie müssen dafür sorgen, dass die Probleme und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger gelöst werden. Wobei: ich würde es als Herausforderungen und nicht als Probleme bezeichnen“, sagt er.

Dennoch wäre dem Ötlinger eine Stadt wie seine Heimat Kirchheim eine Nummer zu groß, weil er dort zu viel delegieren müsste. „Mich reizt es, die Aufgaben von Anfang bis Ende zu denken und zu lösen“, sagt er. Und die 2300-Einwohner-Gemeinde Holzmaden bietet für ihn auch optimale Rahmenbedingungen. „Die Verwaltung ist gut aufgestellt, es gibt eine beeindruckende und aktive Vereinslandschaft mit vielen engagierten Bürgern und es gibt den Gemeindeentwicklungplan ,Holzmaden 2030“‘, schwärmt er. Was an Schulden gemacht werde, seien Investitionen in Zukunftsprojekte wie der Breitband-Ausbau oder der Umbau der Gemeindehalle.

In der Gemeindepolitik kennt sich der studierte Verwaltungsfachwirt aus, sitzt seit 2019 für die Freien Wähler im Kirchheimer Gemeinderat. „Das macht mir unheimlich Spaß, vor allem weil man sieht, dass man etwas bewegen kann“, sagt er. Dass er mit einem deutlichen Ergebnis in den Rat gewählt wurde, hat ihn überrascht, aber auch bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Für die Verwaltung sieht er sich gerüstet: „Ein Haushaltsplan macht mir keine Angst. Der aktuelle Entwurf hat gute 270 Seiten, da habe ich mich am vergangenen Wochenende schon mal eingelesen“, sagt er.

Auch wenn Holzmaden gut aufgestellt sei, habe er drei Themen, die er als Bürgermeister anpacken würde, sagt Florian Schepp: Die Nahversorgung sichern und sich auf die Suche nach einem Betreiber für das leer stehende Ladengeschäft machen, den Neubau des Kindergartens Seestraße umsetzen und Ideen für Wohnmöglichkeiten für alte Menschen entwickeln. Trotz Corona-Einschränkungen will er den Holzmadenern seine Pläne im Tür-zu-Tür-Gespräch vermitteln. Da es nun einen zweiten Kandidaten gibt, wird die Gemeinde wohl auch eine Veranstaltung organisieren.

Mit 45 Jahren sieht sich der zweifache Familienvater im besten Alter für den nächsten Schritt, zumal seine Kinder mit neun und elf Jahren alt genug sind, um ihren Papa abends mal entbehren zu können. Denn das sieht Florian Schepp schon jetzt klar: „Das ist kein Beruf, bei dem man um 16.30 Uhr im Rathaus den Schlüssel umdreht und dann Feierabend hat.“ Das kennt er von seinem Polizisten-Dasein ohnehin nicht anders. „Ich kann und will gar nicht sofort abschalten“, sagt er.

Apropos Polizei: Seine Kollegen in Wendlingen haben bis zum Erscheinen des Artikels noch nichts von Schepps Plan gewusst, Bürgermeister in Holzmaden zu werden. „Ich denke und hoffe, dass meine Kollegen mich verstehen, weil sie meine beiden Leidenschaften kennen.“

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