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Beschämend für technisiertes Land

Zu den RKI-Zahlen vom 12. und 13.  Mai

In einem Artikel in der Südwestumschau wird über 80 Neuinfektionen in einer Fleischfabrik im Enzkreis berichtet, bisher circa 400 infizierte Beschäftigte in einen Betrieb. Direkt darunter war „Corona aktuell“ und meldete für ganz Baden-Württemberg (BW) 85 Neuinfektionen.

Daraus müsste sich zweierlei ergeben: Im übrigen BW kam es nur zu fünf Neuinfektionen, und der Enzkreis hat ein Problem mit der regionalen Notbremse bei 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner pro sieben Tage. Der betroffene Enzkreis weist nach den Zahlen des RKI für den 12. Mai aber null Neuinfektionen aus, und 17,1 Fälle pro 100 000 pro sieben Tage, bei circa 200 000 Einwohnern also 34 Neuinfektionen pro sieben Tage. Die 80 Neuinfektionen sind also nicht enthalten.

Es gibt dafür mehrere Erklärungsversuche, lässt man die „Veräppelung der Bevölkerung“ der Verschwörungstheoretiker außer Acht, bleiben nur schlampig/verspätet gemeldete Infektionszahlen an das RKI, oder es findet eine absichtliche Verschleierung der Zahlen statt, um die 50er-Notbremse nicht zu erreichen. Wenn jedes Landratsamt entscheidet, ob und wann es meldet, sagen die Zahlen und roten Farben auf der RKI-Grafik, die auch in den TV-Medien dargestellt und herangezogen werden, nichts aus und sind für politische Entscheidungen völlig unbrauchbar.

Nur wenn nicht an den Zahlen des RKI, an was sollen die Entscheidungen der politisch Verantwortlichen denn dann festgemacht werden? Es ist für mich beängstigend, dass wir es in zehn Wochen der Pandemie nicht geschafft haben, ein funktionierendes objektives Meldewesen zu installieren, alles spricht von Digitalisierung und die Gesundheitsämter melden Zahlen nach Angaben des RKI teilweise mit drei Wochen Verzug und per Fax - beschämend für ein hoch technisiertes Land.

Günter Preuß, Kirchheim

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