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Bewegende Momente des Abschieds

Gottesdienst Kirchenmitglieder nahmen Abschied von der Johanneskirche, die am Sonntag entwidmet wurde.

Das Kreuz wird an der Außenwand aufgestellt.Foto: Gaby Kiedaisch
Das Kreuz wird an der Außenwand aufgestellt.Foto: Gaby Kiedaisch

Wendlingen. Besondere Zeiten erfordern ein besonderes Vorgehen. Aufgrund der sich verschärfenden Maßnahmen wegen der Coronakrise hatte die evangelische Kirchengemeinde Wendlingen noch am Freitag ihr Konzept zum Abschied überarbeitet. Danach sollten nicht mehr als 100 Personen am Gottesdienst in der Johanneskirche teilnehmen. Am Sonntag hatte auch diese Regelung schon keinen Bestand mehr. Auf Anordnung der Landeskirche wurden alle Gottesdienste bis auf Weiteres abgesagt. Was also tun? Ganz absagen? Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Teilnehmer entschied sich die Kirchenleitung für eine Andacht vor und nicht wie geplant in der Johanneskirche.

Etwa 100 Menschen versammelten sich vor der Kirche, darunter der Vorsitzende der Bezirkssynode Dieter Oehler, Bürgermeister Steffen Weigel und Dekan Paul Magino von der katholischen Kirchengemeinde. Orgelklänge von innen drangen zu den Gläubigen. Der frühere Kantor Walter Schimpf hatte dafür das Präludium in h-Moll von Johann Sebastian Bach ausgewählt. Zur Begrüßung erinnerte Pfarrer Paul Bernhard-Elwert an den ers­ten Gottesdienst in der Kirche am 15. März 1964, auf den Tag genau vor 56 Jahren.

Zentrales Element der Abschiedsandacht war die Entwidmung der Kirche. Dabei wird das Kreuz am Altar abgenommen, vor die Tür des Gotteshauses getragen und an der Fassade am Eingang aufgehängt, als Zeichen der Entwidmung. Ein bewegender Moment für alle war, als die Kirchengemeinderatsmitglieder Hans-Georg Class und Ulrike Dietrich das Kreuz nach draußen trugen, gefolgt von den Mitgliedern des Kirchengemeinderats und den Pfarrern.

Abwechselnd sprachen anschließend Pfarrer Hans-Peter Moser, Pfarrer Peter Brändle, Pfarrer Paul Bernhard-Elwert und die Diakonin Bärbel Greiler-Unrath die Fürbitten, in Vertrauen auf Gott, in der Schwere der Zeit durch das Coronavirus, in der Erinnerung an das Schöne und Ermutigende, das die Menschen in der Johanneskirche erleben durften und das Neue, das mit dem neuen Gemeindezentrum verbunden sein wird.

Pfarrer Brändle verlas das Grußwort von Prälatin Gabriele Arnold, worin sie bedauerte, dass die Menschen sich nicht wie geplant von ihrer Johanneskirche verabschieden können. Die Prälatin hofft jedoch: „Gott bleibt unsere Zuversicht und wird es vielleicht noch mehr, als wir vor Tagen gedacht haben.“ Zum Abschied wurde aus dem Johannesevangelium zitiert. Deshalb waren auch Kerzen für den Nachhauseweg zum Mitnehmen vorbereitet: „Möge das Licht Sie begleiten in den nächsten Tagen und Wochen.“

Für den Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Hans-Georg Class war es einer, wenn nicht der bewegendste Moment in seiner Zeit als Kirchengemeinderat, als er das Kreuz abnahm und aus der Kirche hinaustrug. „Ich freue mich, das Kreuz in das neue Gemeindezentrum wieder hineintragen zu dürfen.“

„Ein bewegender Moment“, da waren sich die Pfarrer Moser und Brändle einig, auch als der letzte Akkord der Orgel verklang, in der Gewissheit, dass in dieser Kirche nie mehr ein Gottesdienst stattfinden wird.Gaby Kiedaisch

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