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Bielomatik streicht 120 Stellen

Insolvenz Beim Neuffener Unternehmen gibt es erneut einen massiven Arbeitsplatzabbau. Zwei italienische Unternehmen steigen ein – 193 Mitarbeiter werden übernommen. Von Henrik Sauer

Das Neuffener Unternehmen Bielomatik streicht erneut Stellen. Die Firma hatte im Oktober Insolvenz anmelden müssen, weil die Aufträge aus der Automobilindustrie eingebrochen waren. Der Geschäftsbetrieb wurde weitergeführt, parallel wurde nach neuen Investoren gesucht.

Die Gespräche mit Interessenten seien abgeschlossen, die Verträge unterzeichnet, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Die beiden Sparten Kunststoffschweißen und Schmiertechnik werden an jeweils einen Investor verkauft. Offenbar hatte es keinen Interessenten gegeben, der Bielomatik als Ganzes wollte. Dazu gebe es zu wenig Überschneidungen zwischen den beiden Sparten. Den Bereich Kunststoffschweißen übernimmt das italienische Unternehmen Persico. Die Schmiertechnik-Sparte geht an das ebenfalls italienische Unternehmen „DropsA“. Die Übernahme soll spätestens zum April erfolgen.

Die Reduzierung der Belegschaft war dafür eine Voraussetzung, sagte Insolvenzverwalter Dr. Tibor Braun. Man sei froh, zwei strategische Investoren gefunden zu haben, die das Unternehmen weiterführten. Der Abbau betreffe stark den Bereich Kunststoffschweißen. Das liege am Konzept des Investors Persico, das vorsehe, dass zum Beispiel manche Dinge künftig nicht mehr selbst hergestellt, sondern zugekauft werden. Mit dem Verkauf schaffe man „die Grundlage für eine langfristige Zukunftsperspektive von Bielomatik“, so Tibor Braun. Möglich sei dies auch, weil sich das Kundengeschäft in den vergangenen Monaten stabilisiert habe und der Geschäftsbetrieb weitgehend normal fortgeführt werden könne.

193 Stellen bleiben erhalten

Bei der Belegschaftsversammlung hatte Braun darüber informiert, dass am Standort Neuffen 193 Arbeitsplätze erhalten blieben. Auch alle 19 Auszubildenden würden weiterbeschäftigt. Die rund 120 betroffenen Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, könnten in eine Transfergesellschaft wechseln, die über zehn Monate laufe. Dort erhielten sie individuelle Vermittlungs- und Weiterbildungsangebote. Braun lobt die Belegschaft: „Die Leute, auch die, die jetzt gehen müssen, haben die ganze Zeit über toll mitgezogen.“

Für die Beschäftigten des Unternehmens ist dies dennoch ein weiterer schwerer Schlag. Erst 2015 hatte Bielomatik sich in ein Schutzschirmverfahren begeben, in dessen Folge die Sparte Papiermaschinen an BW-Papersys­tems in Nürtingen verkauft worden war. Rund 80 Mitarbeiter hatten damals die Kündigung bekommen. Die Belegschaft in Neuffen schrumpfte von 540 auf 340 Mitarbeiter. Nun muss ein weiteres Drittel davon gehen.

Zur jetzigen erneuten Insolvenz­anmeldung hätten neben marktwirtschaftlichen Gründen auch betriebsinterne Themen geführt, sagt Betriebsratsvorsitzender Matthias Ade. So sei vonseiten des Managements versäumt worden, in den wirtschaftlich wieder guten Jahren nach 2015 notwendige strukturelle Veränderungen anzugehen. Als 2018 die Auftragseingänge spürbar zurückgegangen seien, sei nicht gegengesteuert worden. Im vergangenen Herbst hat es dann nochmals ein Restrukturierungskonzept einer Unternehmensberatung gegeben. Doch sind Banken und Gesellschafter - Bielomatik gehörte zur Leuze-Gruppe - nicht mehr bereit gewesen, dieses zu finanzieren, was auch von Insolvenzverwalter Braun bestätigt wird. Die Folge war der Insolvenzantrag.

43 Arbeiter wechseln Standort

Wie es nun genau am Standort Neuffen mit den beiden neuen Eigentümerfirmen weitergeht, wird in den nächsten Tagen geklärt. Fest steht bereits, dass der Bereich Schmiertechnik unter „DropsA“ mit 43 Mitarbeitern nach Frickenhausen umziehen wird.

„Wenn es nicht gelungen wäre, dass das Unternehmen fortgeführt wird, wäre die Alternative die Ausproduktion gewesen, also die Schließung nach dem Abarbeiten der vorhandenen Aufträge“, sagt Betriebsratsvorsitzender Ade: „Dann hätte es auch die Möglichkeit einer Transfergesellschaft nicht gegeben.“ Bielomatik habe ein gutes Produkt, und so sei die Hoffnung, wenigstens für die verbliebenen Mitarbeiter einen zukunftssicheren Arbeitsplatz zu erhalten.

Die italienische Persico-Gruppe wurde 1976 gegründet und ist vor allem in der Automobilindus­trie und in der Schifffahrtsindus­trie tätig. Sie hat ihren Hauptsitz und ihre Hauptproduktionsstätten in Italien und ist weltweit aktiv. 2018 wurde laut ihrer Homepage ein Umsatz von 159 Millionen Euro erzielt. „DropsA“ entwickelt und produziert Zentralschmiersysteme für viele Branchen.

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