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Billige Stimmungsmache

Zum Leserbrief „Viel gelernt“ vom 20. März

Der Autor kritisiert die Coronapolitik der Regierung. Man kann auch aus meiner Sicht der Regierung hinsichtlich der Corona-Pandemie viel vorwerfen: Auf anfängliche Bürgermanipulation durch Falschinformationen folgten Hochmut und reflexiv übersteigerte Selbstbewertung. MdB Hennrich, CDU, meinte damals, Jens Spahn habe die Feuertaufe bestanden. Nach der ersten milden Welle 2020 kennzeichneten Trägheit und Fahrlässigkeit das Regieren, was sich im Winter anhand einer brutalen zweiten Welle rächte. Nunmehr vermischten sich chaotisches Agitieren im Zuge von Wahlkampfzwängen mit dem Bemühen um epidemiologische Vernunft zu einem fatalen Mix, der eine böse Mutationswelle provoziert. Nun müssen wir einsehen: Wir können Krise nicht gut. Weder Bund, noch Länder, noch viele Kommunen wie etwa die unsrige. Solange aber nicht ausreichend geimpft und getestet werden kann, müssen alle stets FFP2/FFP3-Masken tragen - bei einem Abstand von zwei Metern in allen Räumen außerhalb des eigenen Haushalts, auf belebten Straßen und so weiter. Es muss eine konsequente Hände- und Flächendesinfektion stattfinden. Das geschieht nicht. Es wird nicht ausreichend kommuniziert, und es wird kaum kontrolliert durch die Verantwortlichen.

Was aber der Leserbriefschreiber betreibt, ist billige Stimmungsmache. Er beklagt pragmatische Entscheidungen aufgrund dramatischer Sachzwänge. Es ist aber so: Alte Menschen wurden isoliert, um sie vor dem einsamen Tod zu schützen, nicht um sie zu isolieren. Impfstoff, freigegeben durch das exzellente Paul-Ehrlich-Institut, wird verabreicht, um Menschenleben zu retten, und dies bei freier Willensentscheidung. Zu behaupten: „Operation gelungen, Patient tot“, ist Populismus, der wohl nur im Sinn hat: vage Gefühle einer verunsicherten Bevölkerung für destabilisierende Zustände im Land auszunutzen.

Ulrich Haussmann, Kirchheim

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