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Blind für die Apokalypse

Zum Artikel „Glück und göttliche Fügung“ vom 6. August

Gerade mal eine Spalte von 168 Zeitungsspalten reichen der Südwestpresse für die Erinnerung an den Atombombenabwurf vor 75 Jahren auf Hiroshima und Naga­saki am 6. und 9. August 1945. Das sind 0,6 Prozent des gesamten Zeitungstextes vom 6. August 2020 im Teckboten.

Dabei lagern in Deutschland immer noch 20 US-Atomwaffen in Büchel in der Eifel, für deren Einsatz Bundeswehrsoldaten ausgebildet werden und deren Sprengkraft 13-mal größer ist als die der Hiroshima-Bombe.

1957 sprach Günter Anders von der „Apokalypsenblindheit“, auf der die Politik der atomaren Abschreckung beruht: Nur weil wir bereit sind, die mögliche Auslöschung der Menschheit auszublenden, ist ein solcher Irrsinn möglich.

Darum ist es bisher immer nur eine Minderheit, die in Büchel gegen Atomwaffen demonstriert, obwohl viel mehr Deutsche die Atomwaffen ablehnen. Man will sich da „lieber raushalten“ - aber „sich raushalten“ reicht jetzt nicht mehr, weder bei der Klimakatastrophe noch angesichts der atomaren Bedrohung, denn beides betrifft die Grundlagen unserer Exis­tenz. Die Atomwaffen in Büchel werden jetzt so „modernisiert“, dass durch ihre Zielgenauigkeit die Hemmschwelle für ihren Einsatz sinkt. Damit wird das Konzept der atomaren Abschreckung ausgehebelt.

Aber die Südwestpresse beteiligt sich nicht an der Aufdeckung dieses Irrsinns, sondern befördert die „Apokalypsenblindheit“, indem sie nur 0,6 Prozent ihres Nachrichtentextes für dieses Thema für ausreichend hält.

Martin Brost, Dettingen

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