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Brüchle träumt von seinem ersten Paralympics-Gold

Para-Tischtennis Der Frickenhausener Rollstuhl-Athlet Thomas Brüchle fiebert nicht nur dem DM-Finale entgegen.

Frickenhausen. Er ist das Aushängeschild der Behindertensport-Abteilung von TT Frickenhausen. Nach einem Corona-Jahr fast ausschließlich an der Trainingsplatte will Rollstuhl-Tischtennisspieler Thomas Brüchle national und international endlich wieder durchstarten. Am Sonntag kann er Deutscher Meister werden. Im August soll es dann bei den Paralympischen Spielen in Tokio um Medaillen gehen.

Finalspiele sind für Thomas Brüchle nichts Neues. Das liegt in der Natur der Sache. Schließlich zählt der 44 Jahre alte Rollstuhl-Tischtennisspieler in seiner Disziplin zu den besten der Welt. Ein gewöhnliches Endspiel ist das, was der derzeitige Vierte der Weltrangliste an diesem Wochenende in Dortmund bestreiten wird, dann aber doch nicht. Denn die Para Champions Trophy, wie der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) seine nationalen Titelkämpfe bei den Tischtennisspielern nennt, steigen in diesem Jahr gemeinsam mit dem Finale um die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Profis zwischen den Stars von Borussia Düsseldorf und dem 1. FC Saarbrücken als Teil des Multisportevents „Die Finals 2021 - Berlin/Rhein-Ruhr“. Live-Bilder wird es im Internetstream und in der ARD-Zusammenfassung geben.

Nervöser als bei seinen bisherigen Finals ist der Rollstuhlsportler, der bei den Paralympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro jeweils vor 8000 Zuschauern in der Halle spielte, deswegen nicht. „Positiv angespannt“ ist er und glücklich allemal, wie Thomas Brüchle erzählt, der seit dem vergangenen Jahr das Trikot von TT Frickenhausen trägt. „Die Chance, auf dieser Bühne spielen zu dürfen, ist schon schön“, sagt der seit seinem elften Lebensjahr querschnittsgelähmte Sportler.

Noch schöner wäre es für Thomas Brüchle mit Sicherheit, wenn er das Endspiel um den DM-Titel zehn Jahre nach dem letzten Erfolg 2011 wieder einmal gewinnen könnte. Es ist eine schwere Aufgabe, die auf den Lehrer an einer Werkrealschule in der Bodenseeregion am Sonntag ab 8.45 Uhr wartet. Sein Gegner: Thomas Schmidberger von Borussia Düsseldorf, Brüchles Doppel-Partner aus der Deutschen Nationalmannschaft. Sechs Jahre in Folge standen sich Brüchle und Schmidberger im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegenüber, wie der Wahl-Frickenhäuser erzählt. Sechsmal ging der Titel an den 15 Jahre jüngeren Niederbayern, der in der Weltrangliste aktuell Platz zwei einnimmt. Doch Thomas Brüchle lässt sich nicht unterkriegen. „Tom ist schon Favorit“, sagt er. Was dem Rechtshänder, der an den Wochenenden im Training im Neuffener Tal an seiner Technik feilt, aber Mut macht: Schon im Halbfinale hat Brüchle einen vermeintlichen Favoriten geschlagen. Mitte Mai setzte er sich mit 3:1 gegen den auf Platz zwei gesetzten Valentin Baus durch - ebenfalls ein Athlet vom Branchenkrösus Borussia Düsseldorf, den die Frickenhäuser Rollstuhl-Tischtennisspieler in der Ersten Bundesliga ab Oktober endlich herausfordern wollen, nachdem die Saison 2020/21 pandemiebedingt ausgefallen ist.

Vor dem Ligastart fiebert Thomas Brüchle aber noch einem weiteren Highlight seiner Laufbahn entgegen. Zum dritten Mal darf er im August in Japan bei Paralympischen Spielen an die Platte. „Darauf habe ich fünf Jahre lang hintrainiert“, kann er es gar nicht erwarten, in den Flieger nach Tokio zu steigen, wo er große Ziele verfolgt. „Mit der Mannschaft wollen wir Gold, im Einzel hoffe ich auf eine Medaille.“

Nach zwei Paralympischen Silbermedaillen mit der Mannschaft 2012 und 2016 wäre das die Krönung. Nicht nur in Frickenhausen wird man eifrig die Daumen drücken. Alexander Schmid

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