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Butterglas, Radioschrank und Co.

Ausstellung Mitglieder des Kirchheimer Bürgertreffs präsentieren im Feuerwehrmuseum altbekannte Alltags-Gegenstände unter dem Titel „Früher wichtig – heute Erinnerung“. Von Iris Häfner

Tonträger und Putzhilfen von einst und vieles „Alte“ mehr sind im ers­ten Stock des Feuerwehrmuseums zu sehen. Foto: Jean-Luc Ja
Tonträger und Putzhilfen von einst und vieles „Alte“ mehr sind im ers­ten Stock des Feuerwehrmuseums zu sehen. Foto: Jean-Luc Jacques

Von wegen neue Erfindung: Blogger. Jedes Kind im Schwabenland machte einst früh Bekanntschaft mit diesem schweren, sperrigen Gerät, als noch kein Mensch auch nur andeutungsweise an Internet und Influencer dachte, die heutzutage mit Begeisterung irgendwelche Produkte an die Frau oder den Mann zu bringen versuchen, um selbst möglichst viel Geld mit wenig Arbeit verdienen zu können. Wobei, der schwäbische Blogger schreibt sich offiziell Blocker und ist nichts anderes als ein Bohnerbesen, der auf Holzdielen zum Einsatz kam, um sie zu versiegeln.

Wie solch ein urtümliches Gerät im Originalzustand aussieht, darüber kann sich jede und jeder ein eigenes Bild machen, der die Ausstellung „Früher wichtig - heute Erinnerung“ im ersten Stock des Feuerwehrmuseums in Kirchheim besucht. Mitglieder des Bürgertreffs haben Ausstellungsstücke zusammengetragen, die sich bei ihnen auf der Bühne, in der Scheuer oder im Keller befanden.

Der Besucher kommt sich wie in einer Zeitmaschine vor und hat ab einem gewissen Alter ein Aha-Erlebnis nach dem anderen: Lurchi- und Wurzelkinder-Büchle, alte Radios und Abspielbänder, ein urtümlicher Dampfkochtopf von WMF - wie sich herausstellt eines der ersten Modelle aus den 1920er- Jahren -, Kittelschurz und Kopftuch, 1950er Lampe, Singer-Nähmaschinen mit Pedal und vieles mehr lässt sich dort entdecken.

„Vor einem Jahr hatten wir die Idee zu dieser Ausstellung“, erzählt Martin Zoller. Jeder und jede konnte sich mit seinem Steckenpferd einbringen. Martin Zoller wollte beispielsweise die Geschichte von Tonträgern dokumentieren. Vom klobigen Tonbandgerät angefangen über den Kassettenrekorder und Walkman endet im Moment die Entwicklung im Smartphone. Die Wunschmusik wird heute gestreamt.

Die „Teck“-Nudelmaschine

Das ist nur ein Aspekt der Ausstellung, es gibt weitaus mehr zu entdecken: Kochen mit dem Holzherd, Vorratshaltung mit Butterglas, Spielzeug, Hausputz - Stichwort „Blogger“ - oder Telefon sind Thema und entsprechende Exemplare zu bewundern.

Auch die Nudelmaschine zum Kurbeln, die von der Kirchheimer Maschinenfabrik Chr. Gaier hergestellt wurde. „Teck“ - dieser Schriftzug wurde in die stabile Eisenform mit eingegossen. Dazu schreibt Anne Hermann auf dem Infoblatt: Christian Gaier war ein strebsamer Mechaniker, voll fortschrittlicher Ideen, mit denen er die Arbeit in Haus und Küche erleichtern wollte. Er begann mit einer kleinen Werkstatt, die er an sein 1869 eröffnetes Ladengeschäft in der Marktstraße 51 anbaute. 1885 baute er eine Fabrik in der damaligen Bahnhofstraße 26, wo er Haushaltsgeräte aller Art herstellte, darunter Spätzlesmaschinen, Bohnenhobel, Saftpressen und Wäschemangeln. Diese waren preiswert und fanden regen Absatz bei breiten Bevölkerungsschichten, die in Zeiten der Hochindustrialisierung zu wachsendem Wohlstand gekommen waren. Der Betrieb, der später auch Spiralbohrer produzierte, wurde in den 1960er-Jahren eingestellt. Auf dem Areal ließ sich 1968 ein Supermarkt nieder, der inzwischen der Wohnbebauung im „Steingauquartier“ weichen musste. So wird in der Ausstellung auch Kirchheimer Geschichte für die Besucher erlebbar.

Info Die Ausstellung „Früher wichtig - heute Erinnerung“ ist im Feuer­wehrmuseum Kirchheim, Henriettenstraße 84, zu sehen. Die Öffnungszeiten: immer samstags bis einschließlich zum 9. Oktober jeweils von 9 bis 12 Uhr. Ab dem 20. September werden für Gruppen auch Besuche an anderen Wochentagen und Zeiten angeboten. Terminabsprachen sind über das Büro im Bürgertreff möglich: Telefon 0 70 21/4 77 46, E-Mail Info@buergertreff-ki.de.

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