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Campen trotz Corona möglich

Urlaub Viele Camper waren verwirrt. In den vergangenen Wochen galten auf den Stellplätzen aufgrund der Krise ganz unterschiedliche Regelungen. Seit dieser Woche ist es einheitlich: Die Plätze dürfen öffnen. Von Matthäus Klemke

In Neuffen galt seit Wochen für Camper eine Sonderregelung, seit Montag ist der Stellplatz wieder für alle geöffnet. Foto: Holzw
In Neuffen galt seit Wochen für Camper eine Sonderregelung, seit Montag ist der Stellplatz wieder für alle geöffnet. Foto: Holzwarth

Familie Geiger versteht die Welt nicht mehr. Manfred Geiger und seine Frau Elisabeth hatten sich auf ein entspanntes Camping-Wochenende am Fuße der Schwäbischen Alb gefreut. Tochter Sonja ist sogar mit dem eigenen Kleinbus angereist, um den Abstand zu ihren Eltern einhalten zu können.

Doch kaum waren sie am Freitag auf dem Wohnmobilstellplatz in Neuffen angekommen, wurden sie auch schon wieder weggeschickt. „Die anderen Camper haben uns gerade darauf hingewiesen, dass wir gar nicht hier sein dürfen. Man braucht wohl eine Sondergenehmigung“, wundert sich Manfred Geiger: „Na ja, zur Not fahren wir rüber nach Linsenhofen. Der Stellplatz dort ist für alle geöffnet.“

Seit dieser Woche sind Wohnmobilplätze wieder für alle zugänglich, doch in den vergangenen Wochen sorgten unterschiedliche Regelungen für Verwirrung unter den Campern. Während der Parkplatz in Kohlberg komplett gesperrt und der Platz in Linsen­hofen ohne Einschränkungen geöffnet war, galt in Neuffen eine Sonderregelung: Nur „private Härtefälle“ und Leute, die beruflich unterwegs waren, durften auf dem Platz stehen. Die Auslegungshilfe des Wirtschaftsministeriums zur Corona-Verordnung ließ diese Ausnahmen zu. Auch auf dem Wohnmobilplatz auf dem Oberensinger Festplatz galt diese Regelung.

Eine solche Ausnahmegenehmigung hatte Christian Stein, der mit seinem Wohnmobil in Neuffen gleich neben Familie Geiger geparkt hat. Der 43-Jährige wohnt dauerhaft in seinem Gefährt und gilt deshalb als „privater Härtefall“.

„Das war manchmal schon etwas schwierig“, blickt er auf die vergangenen Wochen zurück. „Viele Leute kamen ohne die Sondergenehmigung, das gab dann immer wieder Diskussionen, weil einige Leute uneinsichtig waren.“

Zwei Mal täglich drehte die Polizei ihre Runde auf dem Platz und kontrollierte, ob sich auch jeder an die Regeln hält. „Wenn dagegen verstoßen wird, müssen es am Ende alle ausbaden“, befürchtet Christian Stein.

Solchen Problemen ist man in Kohlberg von vornherein aus dem Weg gegangen und hat die Stellplätze am Jusi komplett gesperrt. „Damit haben wir uns an die Verordnung gehalten“, sagt Kohlbergs Bürgermeister Rainer Taigel. Dass andere Wohnmobilplätze im Neuffener Tal geöffnet hatten, habe ihn gewundert: „Aber es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen.“

In Kohlberg wird Camping auch in den kommenden zwei Wochen nicht möglich sein: „Das liegt aber an Arbeiten, die gerade noch auf dem Stellplatz stattfinden“, sagt Taigel. Einen kleinen Trost gibt es aber: Seit gestern sind die Wanderparkplätze in Kohlberg wieder geöffnet.

Der Stellplatz in Linsenhofen hatte trotz Verbots in den vergangenen Wochen ohne Einschränkungen geöffnet. „Wir haben hier nur acht Stellplätze, und es ist kein Problem, den Sicherheitsabstand einzuhalten“, so Bürgermeister Simon Blessing. „Außerdem haben wir keine sanitären Anlagen oder einen Kiosk, wo mehrere Leute zusammenkommen könnten.“ Aus diesen Gründen habe man sich entschieden, den Stellplatz geöffnet zu lassen. „Es lag und liegt grundsätzlich im Ermessen der Ortspolizeibehörden, im Falle der Wohnmobilstellplätze zu entscheiden“, so Blessing.

„Das ist so nicht richtig“, heißt es aus dem Sozialministerium. „Das Abstellen eines Wohnmobils auf öffentlichen Stellplätzen war bisher untersagt und ist seit heute wieder gestattet“, so Pressesprecherin Claudia Krüger.

Laut Blessing beziehe sich die seit Montag geltende Lockerung vor allem auf Campingplätze und ähnliche Orte, „bei denen die Selbstversorgung möglich ist“. Doch auch das ist laut Sozialminis­terium so nicht zutreffend: „Campingplätze dürfen wieder öffnen für Übernachtungen in Wohnwagen, Wohnmobilen oder festen Mietunterkünften. Dies schließt auch Wohnmobilstellplätze mit ein“, so Krüger.

Bei den Camping-Freunden ist die Erleichterung jedenfalls groß darüber, dass sie wieder auf den Plätzen stehen dürfen. Das sei immerhin eine kleine Entschädigung für den ausgefallenen Urlaub: „Wir wollten eigentlich nach Spanien, aber hier ist es auch traumhaft schön“, sagt Elisabeth Geiger und blickt auf den Hohenneuffen. „Wir haben die Schwäbische Alb wieder ganz neu für uns entdeckt“, ergänzt ihr Mann, „wie zu Kindheitstagen.“

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