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Das „Albhorn“ des Kupferschmieds ist verstummt

Nachruf Zum Tod von Gottlieb Dangel. Der Firmengründer hinterlässt auch in der Gemeinde große Spuren.

Im Museum, das er unter dem Dach seiner Firma aufgebaut hat, war Gottlieb Dangel in seinem Element. Archivfoto: Jean-Luc Jacques
Im Museum, das er unter dem Dach seiner Firma aufgebaut hat, war Gottlieb Dangel in seinem Element. Archivfoto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Lenningen trauert um Gottlieb Dangel. Vergangene Woche ist der Senior-Chef von „Dangel Metall“ im Alter von 82 Jahren gestorben. Er hinterlässt nicht nur in und mit seiner Firma große Spuren. Auch die Gemeinde verdankt dem Oberlenninger Urgestein vieles. 2012 wurde unter seiner Federführung der Marktplatzbrunnen in Hunderten von Arbeitsstunden saniert. Kurz darauf folgte der kleine Brunnen am Julius-von-Jan-Platz. Das Türmchen auf dem Schopflocher Rathaus bekam dank seines Know-hows ebenfalls einen frischen Glanz. Eingebunden war der Netzwerker Gottlieb Dangel dabei stets in das Rat & Tat-Team des Lenninger Netzes.

Nach einer harten Lehre zum Kupferschmied, in der an eine 40-Stunden-Woche nicht zu denken war, gründete er als jüngstes von drei Kindern 1969 in der Scheuer des Elternhauses am Oberlenninger Schlossrain seine Firma. Schon vier Jahre später folgte ein mutiger Schritt - der Umzug in eine große Halle im Gewerbegebiet Oberer Sand. Heute beschäftigt der ehemalige Ein-Mann-Betrieb, den 2006 Gottlieb Dangels älterer Sohn Frank übernahm, dort 40 Mitarbeiter. Damit gehört das Unternehmen zu einer Handvoll Großbetriebe unter den Flaschnereien und Klempnern in Baden-Württemberg. Nicht wenige bedeutende Gebäude hat die Oberlenninger Firma „gekrönt“: So versah der Betrieb die Musikhochschule in Stuttgart mit einem Kupferdach, genauso das Haus der Geschichte in der Landeshauptstadt.

Die Geschichte seines Geburtsortes zu bewahren, gehörte zu Gottlieb Dangels Leidenschaften. Zusammen mit Freunden dokumentierte er Oberlenninger Kleindenkmale, und er baute unter dem Dach seiner Firma ein Museum für Sanitär, Kupferschmiede und Flaschnerei auf. Liebevoll versammelte er dort auch Utensilien aus anderen Handwerksberufen und Fotos, die Besucher in längst vergangene Zeiten eintauchen lassen.

In den letzten Jahren erregte der Ruheständler mit einem neuen Hobby Aufsehen: Aus Kupferblech schmiedete er in seiner Werkstatt Alphörner. Regelmäßig begeisterte er zusammen mit den „Hirschtal Albhornbläsern“ damit bei Auftritten. Die Tradition wird weiter bestehen, und auch die Zukunft von „Dangel Metall“ ist gesichert: Die Enkelin Elena absolviert derzeit im Betrieb den dualen Studiengang „BWL Handwerk“. Ihre Schwester Franziska hat auf ihr Studium in BWL-Immobilienwirtschaft eine Klempnerlehre „draufgesattelt“.

Im Juni wäre Gottlieb Dangel 83 Jahre alt geworden. Er hinterlässt seine Ehefrau, zwei Söhne und vier Enkelkinder. Anke Kirsammer

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