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Das Aushängeschild im Frauenfußball soll breiter werden

Fußball Verbandsligist FV 09 Nürtingen kooperiert mit dem TB Neckarhausen und meldet eine zweite Mannschaft.

Nürtingen. Nach sieben Monaten Spiel- und Trainingspause sind die Verbandsliga-Fußballerinnen des FV 09 Nürtingen heiß auf die neue Saison. Seit gut drei Wochen befindet sich das ranghöchste Frauenteam des Bezirks Neckar/Fils bereits in der Vorbereitung. Um wieder einen stabilen Unterbau zu bekommen, haben die Verantwortlichen nach langer Zeit wieder eine zweite Mannschaft gemeldet. Das Personal dafür ist jedoch noch zu dünn, deshalb machen die „Nullneunerinnen“ mit dem ebenfalls ausgedünnten Ex-Oberligisten TB Neckarhausen gemeinsame Sache - in Form einer Spielgemeinschaft.

Die Zukunft des TBN, der inzwischen in der Regionenliga spielt, hing zuletzt am seidenen Faden. Einige Spielerinnen haben nur nicht aufgehört, weil Corona dazwischen gekommen ist und sie sich so nicht verabschieden wollten. Die Personaldecke ist trotzdem extrem dünn geworden. „Wir mussten reagieren“, weiß Elmar Ströbele, Spiel- und Abteilungsleiter sowie Torwarttrainer bei den TBN-Frauen. Zumal eine vorübergehende Zusammenarbeit mit der TSV Oberensingen nicht wie gewünscht gelaufen und deshalb beendet worden war.

Alleine eine Mannschaft zu stellen, war für den TBN fast genauso utopisch wie für den FV 09 eine eigenständige zweite. Also haben beide Vereine Anfang des Jahres Kontakt zueinander aufgenommen. „Wir haben schnell erkannt, dass es für beide Seiten eine Win-win-Situation wird“, glaubt 09-Spielleiter Eckhard Knöll. Positiver Nebeneffekt: Die SGM Nürtingen/Neckarhausen spielt gleich in der Regionenliga, eine reine 09-Zweite müsste ganz unten beginnen. „Unser Ziel ist es“, sagt Knöll, „dass wir uns in der Breite besser aufstellen und in der Spitze besser werden.“

Außerdem gehe es auch darum, den jungen Kickerinnen Spielpraxis zu geben und sie an höhere Aufgaben heranzuführen. Ohne Unterbau sei die Hemmschwelle, gleich in die Verbandsliga zu wechseln und Gefahr zu laufen, auf der Bank zu versauern, für Talente zudem deutlich höher. Dieser Entwicklung will man mit der Spielgemeinschaft entgegenwirken. Knöll: „Jetzt sage keine Spielerin mehr ‚das schaff ich nicht‘.“

„Wir wissen, dass es personell noch knapp ist“, schränkt der 09-Funktionär aber ein. Den Grund dafür kennt er nur allzu gut: „Unser Dilemma ist, dass wir beide keine eigene Jugend haben.“ Nach der Vorrunde erwartet er dennoch einen weiteren personellen Schub. Dann nämlich, wenn beide Teams erfolgreich spielen. „Das gibt Rückenwind für die Saison 22/23“, glaubt Eckhard Knöll. Jetzt wollen beide Vereine noch klären, ob TBN-Spielerinnen den Verein wechseln. Rein auf dem Papier. Denn nur dann dürfen sie auch in der Verbandsliga eingesetzt werden.

Das Nürtinger Team, das dort antritt, steckt bereits mitten in der Saisonvorbereitung. Die Formalitäten mit den Neuzugängen sind abgewickelt Teresa Fröschle (TB Ruit), Annika Gmelin (SV Böblingen), Luise Ederer (SC Amrichshausen), Juliane Boger (FC Heiningen) und Anna-Lena Mühleisen (TSV Leinfelden) sind erledigt. Die eine oder andere Neue könnte noch dazu kommen. Etwa Judith Alt vom Oberligisten VfL Herrenberg, die als Trainingsgast dabei war.

Gegen eben jene Herrenbergerinnen muss der FV 09 am 1. August im Viertelfinale des WFV-Pokals ran. Drei Wochen später geht es in der ersten Runde des DFB-Pokals rund, der Gegner steht noch nicht fest. Trainer Klaus Bieber hat seine Spielerinnen deshalb schon Ende Mai erstmals um sich geschart. „Nach sieben Monaten Pause freut man sich“, sagt er voller Ungeduld, wieder auf den Platz zurückkehren zu dürfen. Nach der langen Zeit ohne reguläres Training und Wettkampf ist er froh darüber, einen relativ langen Vorlauf zu haben. Uwe Bauer

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