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Das geistliche Wort

Wenn ich als Pfarrer zu Menschen im Pflegeheim komme, gehört auch Beten dazu. Bei Besuchen passt es manchmal, oder auch nicht; so manche erwarten es regelrecht, wenn sie krank sind, damit es ihnen wieder besser geht, oder damit sie Kraft bekommen, die Krankheit durchzustehen. Wenn wir miteinander Andacht oder Gottesdienst feiern, gehört Beten dazu wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche.

So manche beten auch für sich: Danke sagen für einen schönen Tag, einen erfreulichen Besuch. Danke sagen für das Essen, um Kraft bitten bei Schwierigkeiten, oder um Verzeihung, wenn man merkt, dass man Unrecht getan hat. Ja, nicht zuletzt auch um Kraft und Vertrauen, wenn dieses Leben zu Ende geht, Vertrauen, dass Gott, dass Jesus Christus mich dann auffängt, und dass ich nicht ins Bodenlose falle.

Im Monatsspruch für den Juli legt uns der Apostel Paulus auch noch etwas anderes ans Herz, wo­rum wir beten sollten: „Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“ Ja, als Mensch lerne ich nie aus, auch nicht, was Liebe angeht. Liebe ist eine ständige Baustelle, immer wieder ausbaufähig, und ich kann darin nie genug Erfahrungen sammeln, Neues dazulernen - nicht nur, was die Liebe zwischen zwei Menschen angeht, sondern auch die Liebe, die es in einer Gemeinschaft braucht, wie wir sie im Heim, in der Schule, am Arbeitsplatz, in unserer Stadt - und nicht zuletzt auch in und zwischen den Kirchengemeinden, Menschen und Gemeinschaften unterschiedlichen Glaubens haben.

Paulus betet darum, wendet sich an Gott, weil er merkt, dass er damit überfordert ist, diese Liebe von sich aus aufzubringen, sich aus eigener Kraft darum zu bemühen. Er verlässt sich darauf, dass Gott uns durch seinen Sohn Jesus Christus nicht nur immer wieder zeigt, was Liebe ist, uns nahelegt, uns daran ein Beispiel zu nehmen, sondern uns überhaupt die Kraft ins Herz gibt, einander zu lieben, die Sehnsucht, dass von dieser Liebe noch viel mehr in und zwischen uns zu spüren ist.

Ja, lassen Sie uns auch darum immer wieder beten - in Gottesdiensten, im Gespräch miteinander und immer wieder, wenn Ihnen danach ist, mit Gott zu reden.

Pfarrer Werner Ambacher Pfarrer für Altenheimseelsorge in Kirchheim

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