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Das Parkticket hat bald ausgedient

Stadtwerke In den Tiefgaragen Krautmarkt und Schweinemarkt öffnen sich Ende des Jahres die Schranken automatisch, weil das Kennzeichen erfasst wird. Zum Bezahlen braucht man die Autonummer. Von Andreas Volz

In Bälde braucht es kein exaktes Heranfahren mehr: Die Schranken im Krautmarkt öffnen sich, sobald das Kennzeichen erfasst ist.
In Bälde braucht es kein exaktes Heranfahren mehr: Die Schranken im Krautmarkt öffnen sich, sobald das Kennzeichen erfasst ist. Foto: Carsten Riedl

Vorbei ist die „Zettelwirtschaft“ in Kirchheims Tiefgaragen: Noch im laufenden Jahr wollen die Stadtwerke ihr System komplett umstellen. Bei der Einfahrt in die Tiefgaragen Krautmarkt und Schweinemarkt muss man dann kein Ticket mehr ziehen. Stattdessen wird das Kennzeichen an der Schranke automatisch erfasst, und danach wird die Einfahrt freigegeben. Beim Bezahlen am Kassenautomaten ist folglich kein Ticket mehr erforderlich. Es genügt, die Autonummer am Automaten einzugeben und im Anschluss die geforderte Gebühr zu bezahlen. Nach der Zahlung bleibt die übliche Zeit für die Ausfahrt. Innerhalb dieser Zeitspanne öffnet sich die Schranke automatisch - wenn Kamera und Computer ein Kennzeichen erkennen, für das die Parkgebühr ordnungsgemäß entrichtet worden ist.

Es geht sogar komplett ohne Parkautomat: Wer die Tiefgaragen häufiger nutzt, kann sich eine App herunterladen. In diesem Fall werden Kennzeichen und Parkdauer an die Parkster GmbH weitergeleitet, die schon in über 250 Städten in Deutschland vergleichbare Leistungen anbietet: Parkster-Kunden erhalten am Ende des Monats eine Rechnung. Wahlweise können sie auch ihre Kreditkartendaten angeben, sodass die jeweiligen Parkgebühren jeden Monat automatisch abgezogen werden.

Die Vorteile für die Stadt liegen auf der Hand: Wenn weniger Kleingeld in den Kassenautomaten landet, fällt weitaus weniger Aufwand an, um die Kassen zu leeren und das Kleingeld einzuzahlen. Es ist also mit einer Kostenersparnis zu rechnen, durch die sich die laufenden Kos­ten für die neue Technik wieder gewinnen lassen: Vier Prozent der Erlöse aus dem digitalen Parken gehen an den Anbieter Parkster. Für die Autofahrer ist es sicher ein entscheidender Vorteil, dass sie nicht mehr das Problem haben, sich mit dem Park­ticket herumschlagen zu müssen. Die meis­ten klemmen es bis zum Erreichen ihrer Parkstellung zwischen die Lippen. Anschließende stecken sie es häufig in irgendwelche Taschen, in denen sie es oftmals lange suchen müssen.

So aber gibt es nichts mehr, was man mit dem Mund festhalten oder lange Zeit später irgendwo hervorkramen müsste. Die Autonummer sollte jeder jederzeit parat haben - zumal immer mehr Menschen mit Wunschkennzeichen unterwegs sind.

Große Bedenken gab es im Kirchheimer Gemeinderat allerdings an einer anderen Stelle - und das waren noch nicht einmal die Kosten von 180 000 Euro für die entsprechende Modernisierung der Tiefgaragen. Vielmehr ging es um die Frage nach der Datenhoheit. Michael Faulhaber (SPD) wollte sich der Digitalisierung nicht verschließen. Er forderte aber, „auch Personen zu berücksichtigen, die nicht digital bezahlen möchten“. Michael Attinger (Grüne) fand es bedenklich, wenn zwecks Abfrage, ob jemand mit der App zahlen möche, jedes Kennzeichen, das erfasst wird, zunächst einmal an Parkster weitergeleitet wird.

Für Ralf Gerber (Freie Wähler) stellte sich das weniger problematisch dar: „Die Daten gehen ja nur dann an Parkster, wenn jemand per App zahlen will. Wer direkt am Automaten zahlt, dessen Daten bleiben bei der Stadt Kirchheim.“ Das bestätigte Stadtwerke-­Geschäftsführer Martin Zimmert: „Wenn die Parkgebühr bezahlt ist und das Auto rechtzeitig wegfährt, ist der Vorgang für uns erledigt. Dann werden die Daten auch wieder gelöscht.“ Im Übrigen sei Parkster ebenso an die Datenschutzgrundverordnung gebunden wie die Stadtwerke.

Oberbürgermeister Pascal Bader fügte hinzu: „Der Anbieter ist seriös und wird die Datenschutzbestimmungen einhalten.“ Bis Ende September, spätestens bis November soll das moderne System in Kirchheim Einzug halten.

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