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Das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf ist nicht ungetrübt

Für den Menschen wird sich einiges verändern sollte Isegrim sich wieder dauerhaft ansiedeln, ist Karl Ederle überzeugt. „Früher, als der Wolf noch hier war, hatten wir gerade mal zehn Prozent der heutigen Bevölkerungsdichte. 1815 lebten in Europa 46,3 Einwohner pro Quadratkilometer, heute sind es 231“, sagt er und nennt noch weitere Zahlen: „In der Nürtinger Chronik steht, dass in den Jahren 1641/42, also im Dreißigjährigen Krieg, im Wald zwischen Nürtingen und Kirchheim 80 Wölfe erlegt wurden. 5 400 Menschen in Frankreich sind in den Jahren von 1570 bis 1890 laut schriftlicher Quellen durch Wölfe ums Leben gekommen. Kinder sind damals nicht in die Schule gegangen, die mussten das Vieh draußen hüten“, geht Karl Ederle davon aus, dass es sich meist um Kinder bei den Opfern handelte.

Mit 5 500 Wölfen, die in 567 Rudeln leben, rechnet die Technische Universität Dresden bis 2023. „Der Wolf ist dann überall präsent. Er geht ans Wild, an Hunde - auch von Spaziergängern“, befürchtet der Landwirt. Ein rumänischer Schäfer, den er persönlich kennt, habe schon acht Hunde an den Wolf verloren, trotz Halsbänder, die große Eisenstacheln nach außen trugen. Hätten die Raubtiere erst mal die Scheu vor Menschen und Siedlungen verloren, stünden Hauskaninchen in ihren Käfigen, Mülleimer und Komposthaufen als bequeme Nahrungsquelle zur Verfügung. „Das wird unser ganzes Verhalten ändern“, ist der Landwirt überzeugt und nennt als Beispiel den Waldkindi. Er befürchtet einen Verlust an Lebensqualität. „Warum haben unsere Vorfahren den Wolf derart extrem bejagt? Weil sie sich draußen nicht sicher gefühlt haben“, beantwortet er die Frage gleich selbst. Strychnin in Ködern sei irgendwann das Mittel der Wahl gewesen, um das Tier in Deutschland auszurotten.

Ständige Bejagung in Siedlungsnähe hält er für unabdingbar, damit der Wolf, der neben dem Bär zu den Großraubtieren in Europa zählt, Distanz zu Menschen hält. „Der scheue und gelehrige Wolf wird diese Sprache verstehen und Distanz zu Mensch und Tier halten. Er wird sich in Gebiete zurückziehen, in denen wir mit ihm leben können“, sagt Karl Ederle, der die Rückkehr der Wölfe nicht verhindern, sondern in sinnvolle Bahnen lenken will. ih

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