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„Das Virus isoliert uns“

Einsamkeit Zoom ist für Enkel und Großeltern einfach keine Lösung.

Kapstadt. Das Coronavirus verbreitet sich auf der ganzen Welt. Auch in Afrika. Na und? - Wenn der Sohn mit Familie zurzeit in Kapstadt lebt, dann bekommen Meldungen aus Afrika eine brisante Bedeutung. Nach unangenehmen Prognosen für Südafrika klang die Stimme des Sohnes am Telefon besorgt: Was ist, wenn sich in den dicht besiedelten Townships das Virus rasant verbreitet? Wenn es einen Kampf um die Intensivbetten gibt? Wohl aus ähnlichen Überlegungen hat Südafrikas Präsident Ramaphosa am 18. März einen im internationalen Vergleich sehr strengen Lockdown erlassen. Niemand durfte seine Wohnung verlassen, außer zum Einkaufen oder in Notfällen. Schulen und Kitas waren geschlossen, Alkohol- und Zigarettenverkauf verboten. Unsere Schwiegertochter berichtet, dass das Warenangebot normal ist. Allerdings wird die Zahl der Kunden kontingentiert, sodass sich Schlangen vor den Supermärkten bilden. Maskenpflicht besteht generell, sobald man das Haus verlässt.

Der Lockdown war für die Familie relativ erträglich, da die beiden Mädchen im Alter von sieben und vier Jahren Platz, Spielsachen und vor allem sich selber hatten. Für die meisten anderen Familien im Kapstädter Bekanntenkreis stellen die Lockdownregelungen eine schwer auszuhaltende Einschränkung der Lebensqualität oder gar eine Gefährdung der Existenzgrundlage dar. Aufgrund der niedrigen Infektionsrate wurden die Bestimmungen nach vier Wochen gelockert. So durfte man die Wohnung täglich für drei Stunden verlassen - von 6 Uhr bis 9 Uhr morgens. Im südafrikanischen Herbst war da die erste Stunde noch dunkel.

Unser Sohn arbeitet als Lehrer an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt. Während der strengsten Phase des Lockdowns unterrichtete er online mithilfe einer erstaunlich guten technischen Ausstattung. Trotz ansteigender Infektionszahlen wurde schrittweise Präsenzunterricht eingeführt, seit drei Wochen ist er jetzt die Regel. Die Familie kann sich inzwischen wieder innerhalb Südafrikas bewegen. Aber das Virus isoliert immer noch.

Das ist kein Luxusproblem, sondern für uns Großeltern schlimm. Wir konnten seither nicht zu unserer Familie fliegen, bei weiteren Planungen gibt es laufend Änderungen der Bestimmungen. Zoom kann das nicht auffangen. Es heißt, Großeltern seien für die Enkelkinder wichtig. Für uns steht fest: Enkelkinder sind für Großeltern wichtig.Ulrich Staehle

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