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Das Virus kann die Retter nicht aufhalten

Medizin Im Notfall ist schnelle Hilfe gefragt. Was aber ist wegen Corona zu beachten? Das erklären Experten zum Tag der Ersten Hilfe am 11. September. Von Cornelia Wahl

Regelmäßige Kurse helfen, für den Ernstfall vorbereitet zu sein.Foto: pr
Regelmäßige Kurse helfen, für den Ernstfall vorbereitet zu sein.Foto: pr

Richtiges Verhalten bei einem Notfall, wenn man befürchtet, sich selbst durch eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu gefährden - mal ehrlich, wen plagen da nicht Ängste? Was also tun? Der einzige Fehler, den man in dieser Situation machen kann, ist: nichts zu tun. Nicht nur, weil in Deutschland jeder verpflichtet ist, Erste Hilfe zu leisten, sondern vielmehr, weil er Leben retten kann.

Ruhe zu bewahren und auf Eigen- und Fremdschutz zu achten, ist auch in Corona-Zeiten oberstes Gebot. Letzteres gelingt am besten mit dem Tragen einer FFP2-Maske und Einmalhandschuhen aus dem Verbandkasten. Auch die verunglückte Person sollte zum Schutz den Mund-Nase-Bereich bedeckt haben. Das Risiko einer Infektion lässt sich am Ort des Geschehens abschätzen. „Notfälle finden in der Regel selten in sehr engen, schlecht durchlüfteten Räumen, sondern oft im Freien oder in eher gut belüfteten oder zumindest belüftbaren Räumen wie in der Wohnung, im Büro oder in Produktionshallen statt“, erläutert Heike Nägelein, Leiterin Ausbildung bei den Maltesern in Kirchheim. „Die allermeisten Erste-Hilfe-Leistungen setzen keinen dauerhaften direkten Kontakt mit dem Notfallbetroffenen voraus.“ Ein Verband sei relativ schnell angelegt, der Betroffene könne dann mit etwas Abstand weiter betreut werden.

Hinzu kommt nach Aussage von Anita Dropulic, Koordinatorin für Erste Hilfe beim DRK-Verbund Nürtingen-Kirchheim/Teck, dass die meisten Unfälle im eigenen Umfeld passieren, also im familiären oder häuslichen Bereich. Meist ist dann der Gesundheitszustand des Betroffenen bekannt. Wer möchte, kann nach persönlicher Abwägung auch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Drücken und Beatmung durchführen.

Bei Fremden dagegen ist die Infektionsgefahr schwieriger einzuschätzen, schließt das Helfen aber nicht aus. Bei entsprechendem Sicherheitsabstand ist eine Kontaktaufnahme gegeben. Bei ansprechbaren Personen kann eine Anleitung auf Distanz erfolgen, notwendige Verbandmittel etwa können angereicht werden.

Was ist bei fehlender Atmung?

Unter der Beachtung des Eigenschutzes sollte die Person angesprochen, berührt, der Kopf überstreckt und die Atmung geprüft werden. „Bei der Atemkontrolle ist aktuell vor allem auf die Brustkorbbewegung zu achten und auf das Hören und Fühlen der Atmung zu verzichten. Außerdem sollte man schnellstmöglich den Notruf wählen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Falls vorhanden, sollte ein automatisierter externer Defibrillator (AED) eingesetzt werden“, rät Heike Nägelein.

Wird bei einer verunglückten Person nachträglich eine Corona-Infektion festgestellt, kann die von den Beteiligten aktivierte Corona-Warn-App die Kontaktverfolgung und Information für den Ersthelfenden erleichtern. Oder man hinterlässt seine Daten bei den Einsatzkräften. Sollte der Verdacht einer Ansteckung bestehen, wendet sich die Hilfe leistende Person an das zuständige Gesundheitsamt oder den Hausarzt, welche dann die weiteren Schritte in die Wege leiten. Wer sich dennoch unsicher ist, kann immer auch Umstehende bitten, Hilfe zu leisten. Und: „Den Notruf kann jeder wählen, und am anderen Ende der Leitung ist eine dafür ausgebildete Person, die mich unterstützt und mir helfen kann“, macht Anita Dropulic Mut.

Die gute Nachricht lautet: Bisher sind weder dem DRK noch den Maltesern Fälle bekannt, bei denen sich Ersthelfer oder Ersthelferinnen mit Corona angesteckt haben.

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