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Debatte: Gut so! Und dann?

Zum Artikel „Schüler debattieren um die Wette“ vom 15. Februar

Es ist gut, wenn Schüler über die Frage diskutieren: „Sollen grundsätzlich auch Nicht-Pädagogen an Schulen unterrichten?“. Ich frage mich: Was fangen die Schüler mit den Erkenntnissen/Standpunkten an, die sie bei der Debatte gewonnen haben? Bleibt der Diskurs ein „Sandkastenspiel“?

Auf der Homepage von „Jugend debattiert“ lese ich, dass beim Wettbewerb Fragen diskutiert werden sollen, „die alle etwas angehen“. Gut so. Da fallen mir viele Fragen ein: „Wie kann ich verhindern, dass der Ausstieg aus dem INF-Vertrag eine neue atomare Aufrüstungsspirale auslöst? Halte ich es für sinnvoll, mich am Ostermarsch am 18. April 2019 in Ulm zu beteiligen?“ Oder auch: „Halte ich es für notwendig, mich am 15. März 2019 an der internationalen Aktion der Kampagne ‚Fridays for future‘ für mehr Anstrengungen der Politik in Sachen ‚Klimaschutz‘ zu beteiligen? Ist mir der Einsatz für dieses Ziel so wichtig, dass ich die Sanktion für die Schulpflichtverletzung in Kauf nehme, die ich für eine Beteiligung an einer Demonstration während der Unterrichtszeit erwarten muss?“

30 000 Schülerinnen und Schüler in der Bundesrepublik haben am 18. Januar die beiden letzten Fragen mit Ja beantwortet. Dem Beispiel der schwedischen Schülerin Greta Thunberg folgend haben sie sich entschieden, nicht nur zu debattieren, sondern zu handeln. Ein Debattenthema für uns als Erwachsenen-Gesellschaft könnte sein: „Welchen Anteil tragen wir daran, dass Jugendliche mit ihren Zukunftssorgen erst dann gehört werden, wenn sie - kalkuliert - Regeln verletzen?“

Hans Dörr, Sprecher des Kirchheimer Forums 2030

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