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Dem Prinzen gewogen

Zum Interview mit Georg Friedrich Prinz von Preußen vom 20. März

Das aktuelle März-Interview mit Georg Friedrich Prinz von Preußen im Teckboten war ein gelungenes Heimspiel für den Ururenkel des letzten deutschen Kaisers. Möglich machten dies die handzahmen Redakteure Tilmann, Schröder und Liesegang.

Da wird dem Adeligen Gelegenheit gegeben, sich als nachdenklicher, selbstkritischer, verlässlicher (Leihgaben bleiben in Berlin) und wissenschaftsfreundlicher Verhandler darzustellen. Schuld an der aktuellen Eskalation in der Vermögensdebatte, so die Interviewer in vorauseilendem Gehorsam, seien ohnehin das Land Berlin, die Kulturstaatsministerin und die Initiative „Keine Geschenke an die Hohenzollern“. Und schließlich von Preußens Behauptung, es habe seit 2019 kein weiteres Vorgehen gegen Historiker gegeben.

Von der Gewerkschaft verd.i ist jedoch Mitte 2020 Folgendes zu erfahren: In den vergangenen zwei Jahren seien mindestens 30 Journalistinnen und Journalisten, Medien, Historikerinnen und Historiker und Politikerinnen und Politiker mit Abmahnungen oder Klagen konfrontiert worden, oft aufgrund minimalster Verfehlungen.

Gegen diese Einschüchterungswoge und dem Versuch, die Pressefreiheit anzugreifen, hat sich schließlich 2020 der sogenannte „Prinzenfonds“ der Internetplattform „FragDenStaat.de“ gegründet, der nun wiederum, laut deren Aussage, Opfer von Falschbehauptungen (Zweckentfremdung der Spenden) durch einen Anwalt von Preußens wurde. Diesem sich überwiegend aus Spenden finanzierten Rechtshilfefonds wurde in kurzer Zeit bundesweit viel Aufmerksamkeit, Sympathie und Unterstützung zuteil. Diese wichtigen Informationen zu unterschlagen, ist, journalistisch gesehen, ein Mangel an Professionalität und Ausgewogenheit und macht deutlich, dass das Interview mit nicht ausreichender Courage geführt wurde.

Ulrich Haussmann, Kirchheim

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